Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 16. Dezember 2017

Ausgabe vom 27. Oktober 2009

Gerangel um den Flughafen

SPD uneinig - Mitarbeiter genervt - Steigende Passagierzahlen

Hick hack um den Lübecker Flughafen: Was im Jahr 2005 als himmlische Hochzeit gefeiert wurde - die Partnerschaft mit Investor Infratil - endet nun in einer teuren Scheidung. Der neuseeländische Investor steigt Ende Oktober aus dem Vertrag aus. Infratil hielt seit Dezember 2005 die 90-prozentige Mehrheit an der Flughafen Lübeck GmbH, immer mit der Option, den Flughafen an die Stadt Lübeck zurückgeben zu können, sollten die Passagierzahlen nicht wie erwartet steigen. Die erste Ausstiegsoption für Ende Januar diesen Jahres verlängerte Infratil noch im November 2008 um ein weiteres Jahr - um dann im Januar doch den Ausstieg bekannt zu geben. Die Hansestadt muss jetzt 25,9 Millionen Euro an den Investor zurückzahlen.

Zurückgezogener Antrag

Die SPD und die Grünen wollten in die Bürgerschaftssitzung am 29. Oktober einen Antrag auf zur Aufhebung der Betriebspflicht für Flugzeuge über 14.000 Kilogramm einbringen - das hieße, den Flughafen auf einen Verkehrsflughafen zurückzuschrauben. Dieser geplante Vorstoß sorgte für Aufruhr in der Politik und bei den rund 260 Mitarbeitern des Flughafens. Vergangenen Mittwoch wurde zur Betriebsversammlung in Blankensee geladen, an der auch Politiker aller Fraktionen teilnahmen. Peter Reinhardt, Frontmann der SPD, gab hier bekannt: "Der Antrag hat sich erledigt". Über den Antrag soll jetzt in geänderter Form in der Bürgerschaft diskutiert werden, da nun auch ein Bericht des Bürgermeisters vorliege, der die Optionen für den Flughafen aufzeige. Momentan gebe es drei Interessenten für den Flughafen. "Politische Denkverbote darf es beim Flughafen nicht geben", so Reinhardt. Die Chancen würden steigen, wenn Lübeck rund vier Millionen Euro in den weiteren Ausbau investiert, erklärte Flughafenkoordinatorin Conja Grau.

Bernd Möller, Fraktionsvorsitzender der Grünen, zeigte sich enttäuscht: "Billigfliegerei ist keine Aufgabe der kommunalen Daseinsvorsorge". Reinhardt haben unabgesprochen in der Versammlung den Antrag zurückgezogen und die vom Bürgermeister begehrten vier Millionen Euro für die erste Stufe des Flughafenausbaus aus dem städtischen Haushalt zugesagt. "Damit bricht er sowohl die Übereinkunft aller Bürgerschaftsfraktionen vom Frühjahr 2009, kein städtisches Geld für den Flughafen mehr bereitzustellen, als auch die geltenden Beschlüsse des SPD-Kreisvorstands", so Möller in einer Presseerklärung. Weiter heißt es: "Unsere Zusage gilt weiterhin: obwohl der Flughafen Lübeck in seiner jetzigen Lage und mit seinen Problemen nicht von den Grünen zu verantworten ist, sind wir zu einer geordneten Zukunft verpflichtet und beachten unsere Verantwortung für die Beschäftigten".

Peter Thies, Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Lübeck, betonte im Gegensatz zu Peter Reinhardt, dass die SPD eine Subventionierung des Flughafens ablehne. Thieß fordert, dass die schwarz-gelbe Landesregierung die Anteile von Infratil vollständig übernehmen müsse und dann einen Investor suchen könnte. Für die SPD gehe es um nachhaltige Schadensbegrenzung. Ziel sei es, bis November so viele Fakten gesammelt zu haben, dass eine endgültige Entscheidung getroffen werden könne.

Steigende Passagierzahlen

Zeitgleich zu den Diskussionen meldete der Flughafen die aktuellen Zahlen. Im September konnten 69.132 Passagiere gezählt werden - 49 Prozent mehr als im Vorjahres-September. Von Januar bis September steigerte der Flughafen die Passagierzahlen: 532.671 Passagiere wurden insgesamt in den ersten neun Monaten dieses Jahres registriert; ein Zuwachs von 129.378 Passagieren oder 32 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Tom Wilson, Geschäftsführer der Flughafen Lübeck GmbH, sieht dies als gutes Zeichen, gerade in Anbetracht der weltweiten Wirtschaftskrise und den allgemeinen rückläufigen Fluggastzahlen. "Das Wachstum am Flughafen Lübeck demonstriert ganz klar die Wichtigkeit von Low-Cost-Angeboten in harten wirtschaftlichen Zeiten. Der Flughafen bietet nicht nur hunderte direkte Jobs, sondern schafft auch indirekte Beschäftigung, indem er als Tor Inbound-Touristen nach Lübeck und in die umgebende Region bringt", so Wilson. Der gegenwärtige beträchtliche - und zukünftig wahrscheinlich noch erheblich größere - Beitrag zur hiesigen und regionalen Wirtschaft sei essentiell und müsse unter allen Umständen aufrecht erhalten und unterstützt werden, fordert der Flughafen-Chef. msn

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