Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 15. Dezember 2017

Ausgabe vom 06. April 2010

Mittelalterliche Herberge für Pilger

Wiederherstellung kostete rund 700.000 Euro • Bau- und kunsthistorisches Kleinod

Ein ganz besonderes Kleinod konnte kürzlich seiner Bestimmung übergeben werden: Die Pilgerherberge in der Großen Gröpelgrube 8. Zwei Jahre dauerten die Umbau- und zuletzt Restaurierungsarbeiten.

Europaweit sind kaum noch unverbaute Pilgerherbergen erhalten, darum machten sich Lübecker Bürger und die Stiftung Heiligen-Geist-Hospital stark für die Wiederherstellung, die rund 700.000 Euro verschlang, der Halle. Finanzielle Unterstützung kam zudem von der Possehl-Stiftung, dem Verband Frau und Kultur und den Lübecker Stadtführern. 

Der soeben in den Ruhestand verabschiedete Senator Wolfgang Halbedel (CDU) freute sich, die Einweihung als eine seiner letzten Amtshandlungen vorzunehmen. „Hier wird das Mittelalter gegenwärtig“, so Halbedel.

Es ist archivarisch belegt, dass die Herberge und das Heiligen-Geist-Hospital Jahrhunderte zusammen gehörten. Die Pilgerherberge wurde 1365/66 erbaut und ausgemalt. Die Halle diente der leiblichen und seelischen Versorgung der Pilger. Neben einem Altar gab es Bänke, Tische, Gechirr und Kohleschaufeln. Schlafen konnten die Pilger im Obergeschoss – hier standen 70 Betten bereit, getrennt nach Männern und Frauen. Die Wandmalereien sind lebensgroß und noch teilweise erhalten. In Kleinstarbeit legten die Restauratorinnen Eileen Wulff und Svantje Winter die Malereien frei, die unter Holzverkleidungen und bis zu 20 Farbschichten versteckt waren. Zu sehen sind jetzt zwei Christopherus-Darstellungen, der Heilige Petrus, ein unbekannter Heiliger (eventuell Apostel Paulus), Jahannes der Täufer, ein Mönch in einer schwarzen Kutte (eventuell Franziskus), Heiliger Jakobus mit Pilgerhut und -mantel, Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes sowie Blüten und Ranken.

Besichtigt werden kann die Pilgerherberge bei Stadtführungen – und Pilger können hier wieder einkehren, die Anwohner werden ihnen der Tradition entsprechend Unterkunft und Verpflegung gewähren. Drei Pilgerwege kreuzen sich in der Hansestadt – unter anderem auch der berühmte Jakobsweg.   msn

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