Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausgabe vom 13. April 2010

Grabungen im Gründerviertel

Ab sofort werden interessante Führungen auf dem Areal angeboten

Berge von Bauschutt türmen sich momentan auf dem Areal des ehemaligen Parkplatzes der alten Dorothea-Schlözer-Schule zwischen der Braun- und Fischstraße. In dem Ausgrabungszelt an der Einhäuschen-Querstraße sind Archäologen, Grabungstechniker und Restauratoren derweil mit „leiseren“ Dingen beschäftigt. Sie sichern und dokumentieren Grabungsfunde – bis Ende 2013 widmen sie sich der 9.000 Quadratmeter großen Fläche.

Interessierte Lübecker und Besucher der Hansestadt erhalten ab sofort jeden Montag (außer feiertags) um 15 Uhr die Möglichkeit, sich die Fortschritte der Ausgrabungsarbeiten mit einer kostenlosen Führung anzusehen. Jeden ersten Montag im Monat gibt es eine zusätzliche Führung in englischer Sprache. Treffpunkt ist jeweils der südöstliche Eingang zur Grabungshalle gegenüber dem Haus Braunstraße 19 (Restaurant „Altstadt Bierhaus“). Teilnahmekarten für verschiedene Termine liegen im Foyer des Lübecker Rathauses, Breite Straße 52, zur Mitnahme aus.

Im Oktober vergangenen Jahres wurde mit den Ausgrabungen begonnen, nachdem das Bundesbauministerium neun Millionen Euro im Rahmen des Welterbe-Programmes zu Verfügung stellte. Das Projekt stellt die größte Grabung in der lübschen Geschichte dar.  „So wird der älteste Teil der Stadt zum Leben erweckt“, erzählt  Dr. Peter Steppuhn vom Bereich Archäologie der Hansestadt Lübeck. „Wir erhoffen uns Funde aus der Gründung Lübecks seit 1143, aber auch aus der vorherigen slawischen Besiedlungsphase“. Die Funde seien bedeutend für die Erforschung der Han-

sezeit. „Lübeck war die Haupt- und Gründungsstadt der Hanse und somit der Prototyp der mittelalterlichen Stadt in Nordeuropa“, so Steppuhn. Beispielhaft könne hier die Bebauungsstruktur innerhalb des bislang größten zusammenhängenden innerstädtischen Siedlungsareals mit hoher Bevölkerungsdichte im nördlichen Hanseraum erforscht werden. Der Archäologe erwartet einen reichen Fundus aus der früheren Zeit. „Damals blühte der Handel, und bisherige Funde weisen auf Beziehungen bis weit weit in den Orient hinein“. Funde aus dem Lübecker Gründungsviertel seien zudem qualitativ wertvoll, da die Bodenverhältnisse und zahlreiche Kloakenanlagen sehr gute Erhaltungsbedingungen lieferten. „Wir prüfen auch die Möglichkeit, die freigelegte alte Bausubstanz mit in die Neubebauung einzubeziehen“. Bis es soweit ist, wird aber noch etwas Zeit vergehen und die Grabungsaktivität auf das hintere Areal verlagert. Der Abbruch der alten Dorothea-Schlözer-Schule ist momentan im vollen Gange, es folgt Ende 2011 die Hanseschule. Ausführliche Informationen zu den Ausgrabungen gibt es im Internet unter www.ausgrabunggruendungsviertel.luebeck.de.      msn

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