Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 04. Mai 2010

Koberg: Im Würgegriff des Autolärms

Autorin: Dr. Hildegund Stamm

Lübecker BUNT

Der am „Weltlärmtag“ beschlossene Abriss der Lichtskulptur auf dem Koberg ist konsequent, stellt aber auch einen bedrückenden Schritt auf dem glücklosen Weg dieses Altstadtplatzes dar. Mit über drei Millionen Euro Stiftungs- und Steuergeldern aufwändig saniert und mit einem ansehnlichen Kopfsteinpflaster versehen, sollte diese als „schönster Platz Nordeuropas“ betitulierte Stadtfläche neue Aufenthaltsqualität bieten und Bürger einen Ort zur Entspannung bieten. Doch die Gestaltung war von Anfang an umstritten, musste immer wieder korrigiert werden. Ein teures Design-Toilettenhäuschen mit Kiosk, das überhaupt nicht zum restlichen Ensemble passte, wurde schon vor Jahren abgerissen. Die völlig nutzlose „Burrecht“-Bude und der jämmerliche Brunnen sind noch vor Ort, sollten am besten zusammen mit dem nie funktionierenden Lichtquadrat entsorgt werden. Was kommt jetzt? Der Koberg ist viel zu schade, um ihn einfach sich selbst zu überlassen. Doch egal, was jetzt wird – ein zentrales Problem muss zuerst gelöst werden: der Verkehrslärm. Er erstickt den Platz und vertreibt alle diejenigen, die sich dort entspannen möchten. So lange hier ununterbrochen Autos, Busse und Lastwagen über das teure Pflaster poltern, wird niemand den Platz annehmen – egal welche Skulpturen, Bänke, Brunnen und Bäume man auch hinpflanzt. Dass niemand ernsthaft an dieses Thema herangeht, ist die eigentliche Tragik des Kobergs – nicht ein gescheiterter Lichtbrunnen eines Künstlers, dessen Skulptur den alltäglichen Belastungen in Form eines LKW-Reifens nicht standhielt. Im Übrigen: Welch eine treffende Symbolik!

V.i.S.d.P.: Dr. H. Stamm

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de