Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 18. Dezember 2017

Ausgabe vom 15. Juni 2010

Demokratie benötigt ihren Raum

Autorin: Dr. Hildegund Stamm

Lübecker BUNT

Die Arbeitweise der Lübecker Bürgerschaft wird in der Öffentlichkeit zuweilen kritisiert und mit Unverständnis begleitet. Dieser Tage hat ein Politiker das städtische Selbstverwaltungsgremium gar als einen Haufen Hühner bezeichnet, der lieber aufeinander herumhackt, als sich einvernehmlich mit den Problemen der Hansestadt zu beschäftigen. Wer dermaßen eng zusammengepfercht sei, habe den Blick für das Wesentliche nicht mehr frei. Diese Kritik halten wir für überzogen. Wir können andererseits die räumliche Enge im altehrwürdigen Bürgerschaftssaal und deren negative Wirkung nicht leugnen. Der Saal – entstanden in vordemokratischer Zeit – macht es allen Bürgerschaftsmitgliedern schwer, sich von historischem Ballast zu befreien. Allein schon die Sitzordnung: Hoch über allen thront das Präsidium um die Stadtpräsidentin. Ihr gegenüber sitzen in gerader Reihe - wie die Schulkinder - die gewählten Volksvertreter. Die zuschauenden Bürger sind in enge Nischen unter der Decke verbannt und für die Entscheider im Saal kaum sichtbar. Der fens­terlose Raum ist für 60 Mitglieder zudem viel zu eng und schlecht zu belüften. Lange Sitzungstage, die bis zu 12 Stunden dauern können, geraten so zu einer Prüfung der individuellen Leidensfähigkeit. Dies alles hat nichts zu tun mit einem Raumentwurf für ein demokratisches Gremium. Hier wäre beispielsweise ein lichter, von außen einsehbarer Saal mit einer halbrunden Sitzordnung segensreich, die in dem his-torischen Rathaus nicht zu realisieren ist. Wer die Bürgerschaft verbessern will, muss sich auch der Raumfrage stellen – so unpopulär dies sein mag!

V.i.S.d.P.: Dr. H. Stamm

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