Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 27. Juli 2010

Kunstprojekt im Kontaktladen

Drogenabhängige auf ihrem Weg zum Leben

Am vergangenen Mittwoch ist in den Räumlichkeiten der AWO-Kontaktladens „tea & talk“ der verstorbenen Drogenkonsumenten des vergangenen Jahres gedacht worden. Bereits seit 1998 gibt es den „Nationalen Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige“. Er wurde von trauernden Eltern, deren Kinder an Drogenkonsum gestorben sind sowie Eltern, die um das Leben ihrer Kinder fürchten, ins Leben gerufen.

Der Kontaktladen war in diesem Jahr zum zweiten Mal mit einer Aktion beteiligt. Im Rahmen der derzeitigen Kunstausstellung „Pusteblume“, die man noch bis zum 28. Juli besuchen kann, berichtet Kontaktladenmitarbeiterin Ute Behrendt (53): „Im Bereich Drogenhilfe ist in Lübeck in den vergangenen Jahren viel erreicht worden: Substitution, Kontaktladen, Straßensozialarbeit. Dies hat zur Folge, dass Drogenabhängige älter werden als vor 20 Jahren. Angemessene Unterbringungsmöglichkeiten für ältere und gesundheitlich eingeschränkte Drogenabhängige werden zukünftig benötigt. Gleichzeitig braucht es aber auch Unterstützungsangebote wie das Kunstprojekt „Pusteblume“, in dem vorhandene Ressourcen aktiviert werden und das die Chance bietet, den breiten Erfahrungsschatz und die Ideen der Betroffenen nutzbar zu machen. Wir sind der Possehl-Stiftung und der AWO sehr dankbar, dass sie dieses Projekt gefördert hat und hoffen, es in den nächsten Jahren fortführen zu können.“

Janina Schäme (26), Betreuerin des Kunstprojektes „Pusteblume“, verlas drei Lebensläufe von jüngst verstorbenen Drogenkonsumenten. Drei Schicksale, die vor Augen führen, was es bedeutet, drogenabhängig zu sein. „Keiner von uns möchte alleine durch das Leben gehen. Doch der Konsum von Drogen macht nicht abhängig, sondern auch sehr einsam, und im schlimmsten Fall, muss man sogar alleine sterben.“

Ulrike Upahl (37) und Thomas Unruh (47) gehören zu den Stammgästen des Kontaktladens. Beide haben sich mit Arbeiten an der Ausstellung beteiligt. Ulrike Upahl ist eher eine Frau der Worte, hat Gedichte verfasst; Thomas Unruh zeichnete mehrere Bilder: „Die Ausstellung ist wichtig für uns. So können wir den Menschen zeigen, dass auch wir was können.“

Ute Behrendt und Janina Schäme ergänzen: „Wir bewegen hier schon was, aber in ganz kleinen Schritten.“

Das können die beiden Künstler nur bestätigen: „Ohne den Kontaktladen und das Kunstprojekt wäre unser Alltag trister.“ Hier fände man eine Anlaufstelle, könne man sich frei entfalten, seine Meinung äußern. „Die Gespräche bringen uns viel, auch wenn man anfangs misstrauisch ist.“

Interessierte können sich noch bis einschließlich 28. Juli die Ausstellungsstücke des Kunstprojektes "Pusteblume" anschauen. Bei einem Kaffee oder einem kalten Getränke stehen auch die Künstler Rede und Antwort. Die Ausstellungszeiten sind von 15 bis 18 Uhr.

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