Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 14. September 2010

Etikettenschwindel schadet nur

Autorin: Dr. Hildegund Stamm

Lübecker BUNT

Wenn es um die Uni geht, sind wir Lübecker uns einig: Die 1964 gegründete medizinische Fakultät muss erhalten bleiben, weil sie wichtig ist für Wirtschaft und Kulturleben und weil sie dabei hilft, Existenz und Zukunft zu sichern. Das massenhafte Aufbegehren gegen die Kieler Pläne hat Lübeck zusammengeschweißt und letztlich Erfolg gehabt. Ob wir deshalb gleich alle Ortsschilder auswechseln müssen, um zu verkünden, Lübeck sei eine „Universitätsstadt“? Zweifel sind angebracht. Das Wort Universität enthält den Anspruch auf eine Universalität, womit ein umfassendes Fächerspektrum gemeint ist. Bei aller Liebe: Auch wenn wir eine hervorragende medizinische Forschung und Lehre beherbergen, sollten wir uns mit wirklichen Universitätsstädten nicht auf eine Stufe stellen. In Lübeck kann man weder Geisteswissenschaften, noch Jurisprudenz noch Wirtschaftwissenschaften stu- dieren. Auch ist die Zahl der Studenten mit weniger als 3000 eher übersichtlich. Heidelberg zählt 28.000, das kleine Tübingen 25.000 und selbst Greifswald noch 12.000. Während Rostock schon 1409 seine Universität gründete, galten universitäre Forschung und Lehre in der Kaufmannstadt Lübeck jahrhundertelang als überflüssig. Das Etikett „Universitätsstadt“ wirkt daher wie Angeberei – hanseatische Bescheidenheit ist etwas anderes. Zudem besitzt Lübeck mit „Hansestadt“ bereits die stärkste Marke, die man als Stadt in Deutschland überhaupt haben kann. Deshalb ist das Verlangen, in eine Reihe gestellt zu werden mit altehrwürdigen Universitätsstädten nicht nur überflüssig, sondern auch unhistorisch, vermessen und peinlich.

V.i.S.d.P.: Dr. H. Stamm

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