Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 21. September 2010

Vier Lübecker Märtyrer

Erste Seligsprechung in Schleswig-Holstein

Der 25. Juni 2011 wird ein besonderer Tag: Erstmals wird im Norden eine Seligsprechung stattfinden.

Der Vatikan möchte damit die Lübecker Geistlichen ehren, die ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus mit dem Leben bezahlt haben. Zur Feier auf der Parade in Lübeck werden 6000 Besucher erwartet.

Die Seligsprechung von Hermann Lange, Eduard Müller und Johannes Prassek wurde bereits im Jahr 2004 angestoßen. Sie ist ungewöhnlich: Im evangelischen Norden sind Seligsprechungen sehr selten. Dazu kommt, dass die katholische Kirche den vierten Geistlichen, Karl Friedrich Stellbrink, als evangelischen Pas-

tor zwar nicht seligsprechen wird, aber besonders ehren. Papst Benedikt XVI. hat am vergangen Montag auf die aufblühenden Beziehung zwischen den vier Geistlichen hingewiesen, die „in jenden dunklen Tagen“ aufgeblüht seien.

Die drei katholischen Kapläne Johannes Prassek, Eduard Müller und Hermann Lange sowie der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink hatten von der Kanzel und in Flugschriften gegen die Verbrechen der Nationalsozialisten protestiert. Am 10. November 1943 wurden sie im Hamburger Untersuchungsgefängnis am Holstenglacis ermordet. Papst Benedikt XVI. hatte das Martyrium der drei Geistlichen am 1. Juli anerkannt.

Die Seligsprechung findet auf der Straße „Parade“ vor der Propsteikirche Herz-Jesu in der Innenstadt statt. Die Organisatoren rechnen mit 6000 Besuchern. Wer aus dem Vatikan nach Lübeck kommt, ist noch nicht bekannt. Anschließend soll auf die Wiese vor dem Dom gefeiert werden. Bereits ab März wird es eine Vortragsreihe geben.

Ab April werden Stolpersteine für der Herz-Jesu Kirche und der Lutherkirche an die Geistlichen erinnern. Am Vorabend der Seligsprechung findet ein Gottesdienst in der Lutherkirche statt.

„Sie waren keine Tugendbolde und keine Superhelden“, sagt Lübecks Propst Franz Mecklenfeld. Sie seien aber verehrungswürdige Personen. Das erkenne die katholische Kirche mit der Seligsprechung an.

In den Jahren 2004 und 2005 war das Seligsprechungsverfahren zunächst auf der Ebene des Erzbistums Hamburg geführt worden.

Damals wurden 23 Zeugen befragt, theologische und historische Gutachten erstellt und biographische Dokumente gesam-

melt. Das zusammengetragene Material umfasste 2.110 Seiten. Nach dem Abschluss des Verfahrens auf Bistumsebene wurde es von der vatikanischen Kongregation für die Selig- und Heiligsprechung.           vg

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