Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 25. August 2019

Ausgabe vom 04. August 1998

Hortplätze in Schulnähe sind selten

Die Hansestadt Lübeck sucht noch Tagesmütter im Einzugsgebiet der Dom- und der Kalandschule

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Tagesmutter Marion Schacht mit vieren ihrer fünf Schützlinge beim Hütchenspiel: Christian, Jan-Philipp, Lina-Marie (vorn) und Philip (von links); Foto: C. Przywara

"Das Problem ist: Wir haben zwar ausreichend Hortplätze, aber der Bedarf nach solchen, die in der Nähe bestimmter Grundschulen liegen, ist einfach nicht zu decken", erklärt Dorothea Wolf, Mitarbeiterin des Bereichs Kindertagesbetreuung. "Es wäre daher schön, wenn sich Tagesmütter im Einzugsgebiet der Domschule und der Kalandschule bei mir melden würden."

Rund 400 Plätze für die ganztägige Schulkinderbetreuung gibt es in 20 der insgesamt 33 städtischen Kindertagesstätten; hinzu kommen noch die der freien Träger. Damit könnten theoretisch alle Nachfragen gedeckt werden. "Aber schließlich können Erst- und Zweitkläßler nicht mutterseelenallein durch ganz Lübeck geschickt werden", so Wolf. Denn gerade Horte, die den Schulen angeschlossen sind oder sich in deren unmittelbarer Nähe befinden, sind sehr gefragt. Dort sind Plätze nach wie vor Mangelware.

Wenn beide Elternteile voll berufs- tätig sind und keine Möglichkeit haben, ihre Kinder nach der Schule selbst zu betreuen, sind sie auf Hortplätze angewiesen. Einen einklagbaren Rechtsanspruch darauf haben sie aber nicht. Laut Sozialgesetzbuch sind die Kommunen lediglich aufgefordert, "ein bedarfsgerechtes Angebot an Ganztagsplätzen" zur Verfügung zu stellen.

Mittagessen, Schularbeitenbetreuung und pädagogische Angebote täglich bis 16 Uhr auch in den Ferien - das können selbst die betreuten Grundschulen Dom- und Kalandschule nicht bieten. Der Versorgungsengpaß soll jetzt beseitigt werden. "Gerade im Hinblick auf das neue Schuljahr wären wir froh, wenn wir Tagesmütter vermitteln könnten", wünscht sich Dorothea Wolf. "Vielleicht findet sich ja auch eine Frau, die bereit ist, zwei bis drei Kinder aus einer Klasse zu betreuen." Die Kinder könnten dann nachmittags den Kontakt mit ihren Mitschülern pflegen.

Marion Schacht betreut sogar fünf Kinder im Alter zwischen 14 Monaten und zehn Jahren. Die ehemalige Kinderkrankenschwester ist seit elf Jahren als Tagesmutter tätig.

Langeweile gibt es nicht

Langeweile kommt mit ihren fünf Schützlingen nie auf. Jetzt in den Ferien vergnügen sie sich morgens häufig mit Gesellschaftsspielen, oft sind sie draußen am oder im Planschbecken. "Neulich sind wir mit dem Doppeldeckerbus zum Priwall gefahren", erzählt Marion Schacht.

Die Kinder sagen zwar "Mami" zu ihr, aber sie unterscheiden genau zwischen ihr und den richtigen Eltern. "Sie freuen sich morgens, mich zu sehen, aber abends gehen sie gern wieder nach Hause."

Marion Schacht ist als Tagesmutter sehr gefragt, zumal sie zentrumsnah wohnt. Kaum ist ein Kind zu alt für eine Tagesbetreuung geworden, da nimmt schon wieder ein anderes den Platz ein, denn "das spricht sich sofort herum."

Eine Tagesmutter ist teurer als ein Hortplatz. Letzterer kostet inklusive Mittagessen 365 Mark monatlich. Die Betreuung durch Tagesmütter hat aber den Vorteil, daß sie stundenweise abgerechnet werden kann. Und: Beide Möglichkeiten sind zuschußberechtigt.

Wer Interesse an der Tagespflege von Schulkindern aus dem Einzugsgebiet der Dom- und der Kalandschule hat, kann sich beim Bereich Kindertagesbetreuung an Dorothea Wolf, Telefon (0451) 122 51 16, Wilhelm Kühn, Rufnummer 122 51 86, oder Klaus-Dieter Pfeffer, Telefon 122 57 12, wenden.

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