Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 09. November 2010

Kleiner Platz mit großer Wirkung

Autorin: Katja Mentz

Die Grünen

Am Dienstag fand im Rathaus eine Anhörung der Lübecker EinwohnerInnen statt. Die Bürgerschaft hatte auf Antrag der GRÜNEN dem Bauausschuss empfohlen, den „Günther-Quandt-Platz“ in Schlutup umzubenennen, eine kleine Straße mit 15 Häusern und insgesamt 40 BewohnerInnen. Viele kamen ins Rathaus um zu diskutieren. Schnell wurde deutlich, die Mehrheit der AnwohnerInnen will keine Umbenennung. Der Impuls entstand durch die Anfrage eines Einwohners in der Bürgerschaft, Mitglied der VVN und selbst ehemaliger Häftling eines Konzentrationslagers. Günter Quandt war einer der einflussreichsten Industriellen während der NS-Zeit. Er unterstützte die NSDAP durch Wahlkampfspenden, wurde aktives Mitglied und 1937 von Hitler zum Wehrwirtschaftsführer ernannt. Quandts Betriebe waren wichtige Zulieferanten für die Rüstungsindustrie, so produzierten die AFA-Werke Batterieanlagen für Militärfahrzeuge. Tausende Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge wurden von Quandt in Zwangsarbeit unter unmenschlichen Bedingungen beschäftigt. In Hannover-Stöcken produzierten beispielsweise rund 1.500 KZ-Häftlinge ohne Schutzkleidung Batterien für U-Boote in bleiverseuchter Umgebung. Die Arbeitsbedingungen in Quandts Betrieben forderten durchschnittlich 80 Tote pro Monat, welche im Voraus mit eingeplant und bewusst als zu erwartende „Fluktuation“ kalkuliert wurden. Im November 2007 veröffentlichte der NDR den Film „Das Schweigen der Quandts“, aktuell im Internet bei 'youtube' zu sehen. Deshalb bitten wir alle AnwohnerInnen des „Günther-Quandt-Platz“ um Beteiligung bei der Namensfindung „ihrer“ Straße.

V.i.S.d.P.: Katja Mentz

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de