Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 17. Oktober 2017

Ausgabe vom 16. November 2010

Effektive Maßnahmen für Alleinerziehende

Impulse lieferte Fachveranstaltung in der Hansestadt

Unter dem Titel „Maßnahmen für Alleinerziehende – unterstützend und nachhaltig!“ fand am vorigen Mittwoch im Rathaus eine Impulsveranstaltung statt. Veranstalterinnen waren das Frauenbüro der Hansestadt Lübeck und der VAMV, der Verband alleinerziehender Mütter und Väter in Schleswig-Holstein.

Rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Beratungsstellen, Jobcentern sowie eine Reihe kommunaler Frauen- und Gleichstellungsbeauftragter aus Lübeck und den umliegenden Kreisen tauschten zu dieser Fragestellung ihre Erfahrungen aus.

Rahmenbedingungen für nachhaltige Unterstützung wurden diskutiert, bestehende Maßnahmen für Alleinerziehende auf ihre Effektivität überprüft und unter der Überschrift „Ja, so kann’s gehen“ drei gelungene Beispiele aus Lübeck, Lauenburg und Kiel vorgestellt. „In Lübeck ist fast jede zweite (43,3 Prozent) Alleinerziehende auf Arbeitslosengeld II angewiesen“, so Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck. „Im Dezember 2009 gab es in Lübeck 2809 Bedarfsgemeinschaften, in denen Alleinerziehende mit ihren Kindern lebten, das war fast jede fünfte Bedarfsgemeinschaft“. Die Zahl der alleinerziehenden Haushalte steige: So gab es vor fünf Jahren rund 5000 Haushalte von Alleinerziehenden in der Hansestadt, Ende 2009 waren es rund 6500. Etwa 90 Prozent dieser Alleinerziehenden seien Frauen. Alleinerziehenden müsse es ermöglicht werden, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

„Alleinerziehende sind nicht alle gleich. Aber viele, das belegen zahlreiche Untersuchungen, haben eine hohe Erwerbsmotivation“, ergänzt Margot Eidtmann, Leiterin der Beratungsstelle des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) in Schleswig-Holstein und Initiatorin der Veranstaltung. „Manche haben eine sehr gute Qualifikation, brauchen aber eine flexiblere Kinderbetreuung oder familienfreundlichere Arbeitszeiten. Andere brauchen zuerst einmal überhaupt eine nachhaltige Qualifikation. Oder sie müssen erst einmal mit den Folgen von belastenden Trennungen und Gewalterfahrungen fertig werden. Bei aller Unterschiedlichkeit brauchen alle Alleinerziehenden, die mit ihren Kindern im ALG-II-Bezug sind, eine verlässliche, ausbaufähige und vor allem kostenlose Kinderbetreuung.“

Als Fazit dieser Veranstaltung waren sich die Expertinnen und Experten einig: Alleinerziehende im SGB II brauchen ein zielgruppenspezifisches, qualifiziertes Fallmanagement in den Job Centern, ein individuelles, beratendes und begleitendes Coaching durch regional angebundene Beratungs- und Bildungsträger, bedarfsgerechte und nachhaltige Qualifizierungs- und Wiedereinstiegsmaßnahmen,  ein regional verbindlich und formell arbeitendes Netzwerk mit allen wichtigen Entscheidungs- und Angebotsträgern, ein qualifiziertes und flexibles Kinderbetreuungsangebot für alle Altersstufen, das bezahlbar und für ALG-II-EmpfängerInnen kostenlos ist.

Sollten die von der Bundesregierung ab 1. Januar 2011 geplanten Kürzungen in Kraft treten, so ist mit einem harten Einschnitt auch für die Mittel von Maßnahmen in den Jobcentern zu rechnen.

Das einzig Positive daran sei vielleicht, so die Veranstalterinnen, das es alle AkteurInnen und Akteure zwinge, die bisherige Entwicklung und Angebotsstruktur für Alleinerziehende im SGB II kritisch zu überprüfen und notwendige Veränderungen im Sinne effektiver unterstützender und nachhaltiger Maßnahmen vorzunehmen.

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