Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 07. Dezember 2010

Kein Krieg im Klassenzimmer

Autor: Ragnar Lüttke

Die Linke

Wir bedauern die Ablehnung der Resolution „Keine Jugendoffiziere an Lübecker Schulen“ durch die Bürgerschaft. Leider wurde unser Appell, dass das Werben und Rekrutieren von Jugendoffizieren an Lübecker Schulen beendet werden sollte, von der Mehrheit nicht mitgetragen. Die Jugendoffiziere der Bundeswehr wirken seit 1958 im Rahmen des Unterrichts, aber auch mittels organisierter Kasernenbesuche, Seminaren und dem Simulationsspiel „POL&IS“ unmittelbar auf SchülerInnen ein. Der Inhalt des Spiels ist die Simulation zwischenstaatlicher Beziehungen und Interessen. Die Teilnehmer schlüpfen dabei in die Rollen von Vertretern aus Regierung, Opposition, Wirtschaft und Militär verschiedener Regionen. Meist gibt der Jugendoffizier dabei den Spielleiter. Ihre Aufgabe ist es, die „sicherheitspolitischen Entscheidungen“ der Bundesregierung zu erklären. Jugendoffiziere sind keine „Experten“, sondern, wie es auch auf der Homepage des Bundesministeriums der Verteidigung heißt, „Öffentlichkeitsarbeiter der Bundeswehr“. Ihr Einsatz im Unterricht läuft daher zwangsläufig darauf hinaus, den Schülerinnen und Schülern eine einseitig vom Militär bestimmte Sicht auf die deutsche Außen- und Militärpolitik zu vermitteln. Kritik am völkerrechtswidrigen Überfall der Bundeswehr und anderer NATO-Armeen auf Jugoslawien 1999, an den deutschen Unterstützungsleistungen für den ebenfalls völkerrechtswidrigen Irak-Krieg 2003 und am Massaker an weit über 100 Menschen, das die Bundeswehr im September 2009 am Kundus-Fluss in Afghanistan zu verantworten hatte, ist von den Jugendoffizieren kaum zu erwarten.

V.i.S.d.P.: Antje Jansen

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