Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 12. Dezember 2017

Ausgabe vom 07. Dezember 2010

Geht Eigentumsrecht vor Tierschutz?

Autorin: Dr. Hildegund Stamm

Lübecker BUNT

Anfang September haben wir an dieser Stelle gefordert, dass die Hansestadt dafür sorgt, dass die Tiere vor dem Lübecker „Tierpark“ geschützt werden und die Betreiber dazu gebracht werden, sich endlich um eine andere Bleibe und um eine artgerechte Haltung zu kümmern. Die Schließung des verrufenen Tierparks Ende Oktober ließ auch bei uns die Hoffnung keimen, dass die endlos scheinende Zeit der Auseinandersetzungen um den Minizoo endlich der Vergangenheit angehören würde. Weit gefehlt. Ein erneutes Gutachten und die Androhung einer Strafanzeige durch die Deutsche Gesellschaft für Tierschutz-recht (DJGT) gegen die Halter wegen Tierquälerei und gegen das städtische Veterinäramt wegen Untätigkeit haben Lübeck jetzt erneut klargemacht, dass das Wohl der Tiere und die Zukunft des erkrankten und altersschwachen Braunbärens nicht aus der Perspektive des Tierwohls, sondern aus dem Blickwinkel des Besitzdenkens betrachtet wird. Die Tiere sind Eigentum der Betreiber, die letztlich im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen mit ihnen machen können, was sie wollen. Die Überprüfung, ob die gesetzlichen Bestimmungen eingehalten werden, obliegt indes der Hansestadt. Und hier gibt es offenkundig große Zweifel, ob mit dem nötigen Ernst und Nachdruck gearbeitet wird oder dem unliebsamen Thema nicht lieber ausgewichen wird, weil man politische Streitigkeiten befürchtet. Wer den Tierschutz in dieser Angelegenheit als zweitrangig erachtet, kann sich aber vielleicht motivieren, wenn er an den Ansehensverlust denkt, den Lübeck durch diese endlose, unappetitliche Tierparkgeschichte tagtäglich erleidet.

V.i.S.d.P.: Dr. H. Stamm

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