Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 20. Mai 2019

Ausgabe vom 11. August 1998

Editorial

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Faszinierend, was die Technik alles möglich macht: In einem sogenannten Erlebnisbad vor den Toren Lübecks bekommt der Badegast eine Magnetkarte, die nicht nur die exakte Ankunft registriert, sondern darüber hinaus auch, was der Gast während seines Aufenthaltes verzehrt und wann er das Bad wieder verlassen hat. Es müßte doch ebenfalls machbar sein, daß dieses kleine Kärtchen am Handgelenk auch darüber Auskunft gibt, wie oft der Besucher seinen Umkleideschrank aufsucht, die Dusche benutzt oder in die Sauna geht. Ohne großen Aufwand läßt sich damit ein fast perfektes Bewegungsbild vom jeweiligen Badegast erstellen - Informationen, die für die Optimierung des Angebots unerläßlich sind.

Zugegeben: Ein wenig überrascht hat uns die Selbstverständlichkeit, mit der jeder Badegast brav seine Magnetkarte (an)genommen hat. Gab es nicht Ende der 80er Jahre eine Volkszählung? Und sind die Leute damals nicht Sturm gelaufen gegen das Szenario des "gläsernen Menschen"? Davon ist heute nichts mehr zu spüren - und das gilt nicht nur für Erlebnisbäder.

Heutzutage hat jeder seine Bade-, seine Scheck- oder seine Krankenkassenkarte und ist zufrieden. Jede für sich speichert schon mehr persönliche Daten als damals überhaupt erhoben werden sollten - und auch die Vernetzung untereinander nimmt zu. Probleme auszusitzen, lernen wir daraus, hat eben doch seine Berechtigung. Ihre SZ-Redaktion

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