Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 08. Februar 2011

Bericht über Frauen in der Hansestadt

Zahlen und Fakten zur Arbeitsmarkt-Situation, Bildung, Kinder und mehr

Pünktlich zur bundesweiten Debatte über die Frauenquote in deutschen Unternehmen legte das Lübecker Fraubenbüro den 5. Frauenstatistik-Bericht vor. „Seit 1994 wird im Vier-Jahres-Abstand der Bericht auf Beschluss der Bürgerschaft erstellt“, erklärt Lübecks Gleichstellungsbeauftragte Elke Sasse.

Das Heft klärt mit Zahlen und Fakten über die Lage von Lübecks Frauen am Arbeitsmarkt, ihre Bildung, Vereinbarkeit von Familie und Beruf, ihr Einkommen, ihre Wohnsituationen, Kinderbetreuungs-Angebote, häuslicher Gewalt und nicht zuletzte über Frauen in der Bürgerschaft, Aufsichtsräten, Parteien und Gewerkschaften auf.

„Der Frauenstatistikbericht 2010 zeigt, dass Frauen in Lübeck inzwischen fast jeden zweiten sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz inne haben“, erläutert Elke Sasse.  Dennoch würden immer noch mehr Frauen als Männer in Teilzeit und in Minijobs arbeiten. „Zwischen 2006 und 2009 fanden fast 3.000 Frauen mehr eine sozial-versicherungspflichtige Stelle, 2.000 davon in Teilzeit und rund 1.000 in Vollzeit“, ergänzt Petra Schmittner, Mitarbeiterin im Frauenbüro und Verfasserin des Berichts. „Obwohl in Lübeck inzwischen mehr Frauen in Vollzeit als in Teilzeit arbeiteten, haben sie nur 40 Prozent aller Vollzeitjobs, aber 83 Prozent der Teilzeitjobs und zwei Drittel aller Minijobs inne“, so Schmittner.

Die Zahl der Minijobs stieg in der Hansestadt: 2006 gab es 12.000 Minijobberinnen, 2009 waren es schon 13.000. Allein in der Gebäudereinigung nahmen 700 Frauen einen Minijob an. Der Deutsche Frauenrat habe 2010 aufgrund aktueller Entwicklungen die Abschaffung von Minijobs gefordert. Denn langfristig betrachtet wirkten diese der ökonomischen Eigenständigkeit sowie der sozialen Absicherung von Frauen entgegen. Diese Einschätzung teilt das Lübecker Frauenbüro.

Der Frauenstatistikbericht 2010 zeigt auch, dass die Zahl der arbeitslosen Frauen zwischen 2006 und 2009 von über 7.000 auf etwas mehr als 5.500 zurück gegangen ist. „Allerdings suchten Anfang 2010 fast doppelt so viele Lübeckerinnen eine Arbeit als arbeitslos gemeldet waren,“ gibt Petra Schmittner zu bedenken „und es gab auch wesentlich mehr Frauen, die nicht in der Arbeitslosenstatistik auftauchen, sondern von der Agentur für Arbeit als ‚erwerbsfähige Hilfebedürftige’ geführt werden. Das sind z.B. Frauen, die ‚erwerbsfähig’ sind und Arbeitslosengeld erhalten, aber keine Arbeit aufnehmen können, weil sie Kinder unter drei Jahren haben oder Frauen, die arbeiten, aber so wenig verdienen, dass sie auf ergänzende Leistungen des Staates angewiesen sind.“

Erschreckend für die Mitarbeiterinnen des Frauenbüros sei die Erkenntnis, dass fast die Hälfte der arbeitslosen Frauen in Lübeck keine abgeschlossene Berufsausbildung habe. „Und jede fünfte arbeitslose Frau in Lübeck ist Alleinerziehende“, sagt Petra Schmittner. „Für beide Zielgruppen müssen Arbeitsagentur und JobCenter gemeinsam mit Bildungsträgern passende Bildungs- und Unterstützungsstrukturen schaffen.“ Immerhin steige die Zahl der Alleinerziehenden weiter, so Sasse. Zwischen 2005 und 2009 ist die Zahl der Alleinerziehenden-Haushalte in Lübeck von 5.000 auf 6.500 angewachsen.

Einen wichtigen Punkt zum Ansetzen sieht Sasse beim Übergang von der Schule in den Beruf. „Wir dürfen die jungen Frauen nicht vergessen, die keine Abschlüsse machen oder keinen Ausbildungsplatz finden“.  In Lübeck blieben im Schuljahr 2009/2010 27 junge Frauen ohne Schulabschluss, der Anteil der Berufsschulabgängerinnen ohne Ausbildungsplatz hat sich zwischen 2007 und 2010 von 33 auf 95 verdreifacht und die Zahl der ‚unversorgten’ Bewerberinnen ist zwischen 2008 und 2009 von 88 auf 94 gestiegen.

Interessant und im bundesweiten Trend sind auch die Verdienstzahlen: Frauen verdienten im Jahr 2009 23 Prozent weniger Gehalt als Männer. Frauen, die in Vollzeit und in derselben „Leistungsstufe“ wie die verglichenen Männer arbeiteten, verdienten in Schleswig-Holstein im 4. Quartal 2009 immerhin zwischen 150 und 1.400 Euro pro Monat weniger als ihre männlichen Kollegen.

In Lübeck gibt es übrigens einen Frauenüberschuss: Es sind 10.544 mehr Frauen als Männer gemeldet. Einsehbar ist der Bericht „Frauen in Lübeck 2010 – Daten und Fakten“ online unter www.luebeck.de/files/pool/01/160/Frauenstatistikbericht2010.pdf.           msn

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