Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 17. Dezember 2017

Ausgabe vom 22. März 2011

Geteiltes Leid ist halbes Leid

50 Jahre Telefonseelsorge Lübeck • Workshop, Flashmob und Installation

Es begann am 17. April 1961 in einem kleinen Gartenhäuschen auf dem Gelände der heutigen  evangelischen Kirchenkanzlei in der Bäckerstraße. Zwischen Gartengeräten wie Harke und Laubeimer wurde ein Tisch mit Telefon aufgestellt – die Telefonseelsorge Lübeck war geboren und damit die 14. Telefonseelsorge-Stelle in der Bundesrepublik.

Vieles hat sich seit damals getan. Dort, wo das Häuschen stand, ist jetzt der Parkplatz für die Kirchenkanzlei. Aus dem schwarzen Telefon mit Wähldrehscheibe wurde ein modernes weißes Gerät. Aus damaligen 500 Anrufern jährlich wurden knapp 28.000 im Jahr 2010.

„Die Telefonseelsorge ist so bekannt wie Coca-Cola“, sagt Pastorin Marion Böhrk-Martin, Leiterin der Telefonseelsorge. Dennoch gebe es in der Bevölkerung eine ambivalente Grundhaltung zur Einrichtung, „da die Telefonseelsorge mit den Schattenseiten des Lebens, mit Leid, Scham und seelischem Schmerz verbunden wird“.

Doch was wäre, würde es keine gut 100 ehrenamtlichen Helfer in der Telefonseelsorge Lübeck geben? Was hätten die 118 Anrufer mit Selbsttötungsabsichten im vergangenen Jahr getan? Ihre Absicht umgesetzt? Die in zweijähriger Ausbildung geschulten Ehrenamtler konnten diesen Menschen Mut zusprechen, Lösungsansätze aufzeigen und hörten zu. „Manchmal sind wir Schatzsucher nach den schönen Dingen im Leben des Anrufers“, sagt Ehrenamtler Hartmut Jeske. Bestehe ein konkreter Verdacht auf Suizid, werde auch die Polizei eingeschaltet, um den Anrufer selbst und möglicherweise weitere Menschen zu schützen.

Die Pastoren Iwer Rinsche und Kurt Hämmerling begleiteten die Telefonseelsorge die ersten vier Jahrzehnte ihrer Existenz. Waren früher oft Erziehungsprobleme Fragen bei den Seelsorgern, sind es heute Zwistigkeiten in Beziehungen und Familien.

„Hören – Zuhören – Gehörtwerden“ ist das Motto der Telefonseelsorge 2011. Zum 50jährigen Jubiläum gibt es zahlreiche Veranstaltungen, wie den Gottesdienst am 10. April um 10.15 Uhr in St. Petri: „Hab‘ ich Dein Ohr nur, find‘ ich schon mein Wort“. Eine Fachtagung ist bereits ausgebucht, ein VHS-Workshop im August und ein Flashmob im September in der Fußgängerzone sowie eine Installation in St. Petri runden das Jubiläum ab.       msn

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