Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 11. Dezember 2017

Ausgabe vom 05. April 2011

Ein Tag im März

Autor: Daniel Zafferi

Die Linke

…irgendwo in St. Lorenz… Bürger zahlen Steuern und die Stadt baut ihnen dafür Straßen. Straßen, die das Haus mit dem Rest der Stadt verbindet, zum Arbeitsplatz, zur Schule und zum Supermarkt. Sie sind ein Ort für einen Klön-schnack, Kinder spielen darauf, es ist ein Stück der kleinen Welt in der Menschen sich zu Hause fühlen. Viele Anwohner fühlen sich für ihre Straßen verantwortlich. Wenn die Beleuchtung oder der Straßenbelag erneuert werden muss, zahlen sie ein Teil der Kosten. Sonnabend, 26. März – plötzlich ist alles anders. Der Mann mit dem Hund darf nicht spazieren gehen. Der Kindergeburtstag muss leider ausfallen. Die anderen Kinder kommen nicht durch. Eine Frau darf erst nach längerer Verhandlung im Supermarkt einkaufen - mit Polizeibegleitung. Der geplante Umzug muss verschoben werden, raus fahren darf der Student noch, aber er kommt nicht mehr rein in den Stadtteil. Eine alte Frau möchte Blumen auf das Grab ihres Mannes legen - ohne Personalausweis. Sie muss gehen. Polizeistiefel zertrampeln einige Gräber. Die Tür zum Gemeindehaus hat geschlossen zu werden, fordert die Polizei. Die „Ungehorsamen“, die die Tür offen halten, werden mit Pfefferspray bestraft. Der gruselige Aufzug mit Panzerwagen kommt. Wie Soldaten marschieren sie – die Nazis und die Polizei. Bürger setzen sich auf ihre Strasse, denn sie fühlen sich verantwortlich. Sie wollen keine Nazis in ihrer Stadt. Verboten sei es, so etwas zu tun, sagt die Polizei. Es ist ein „Eingriff in den Straßenverkehr“. Doch den gibt es an diesem Tag gar nicht mehr. Es ist Ausnahmezustand mit Ausgangssperre.

V.i.S.d.P.: Antje Jansen

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de