Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 18. Dezember 2017

Ausgabe vom 19. April 2011

Kampf der Diskriminierung im Alltag

Autor: Calogero Ciulla

Lübecker BUNT

Als türkischer Gastarbeiter „Ali Levent Sinirlioglu““ verkleidet nahm der Schriftsteller Günter Wallraff bereits 1983 die Unterdrückung von Ausländern in Deutschlands Arbeitsalltag unter die Lupe. Der aktuelle Diskriminierungsreport Schleswig-Holstein zeigt, dass sich seither nicht viel geändert hat. Ich selbst erlebe immer wieder, dass ich für jeden streitsüchtigen Ewiggestrigen ein rotes Tuch bin, weil ihm mein Aussehen nicht gefällt und er mich als Ausländer einstuft. Er glaubt, jeden Mitbürger, der kein norddeutsches Aussehen hat, diskriminieren zu müssen und ihm zu zeigen, wo der Hammer hängt – ohne überhaupt etwas über dessen Herkunft zu wissen. Egal ob dieser EU-Bürger ist, ob dessen Aufenthalt nur geduldet oder ob er gar hier geboren und Deutscher ist. Diskriminierung passiert öfter als man denkt. Geschieht sie in der Verwaltung beim Umgang mit dem Bürger oder vor einer Diskothek, dann ist eine Beschwerde möglich. Denn wenn Giovanni, Ali, Habib oder Fatima diskriminiert werden, dann ist das ein Vergehen oder gar eine Straftat. Aber wo findet sich die Beschwerdestelle? Lübeck hat ein Frauenbüro. Ein Männerbüro war jüngst im Gespräch. Aber wieso haben wir kein Antidiskriminierungsbüro, das dabei hilft, die Gleichstellung nach dem Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) durchzusetzen? Wir hätten es längst, wenn sich der Bürgermeister mal einige Tage als Migrant verkleidet durch seine Stadt bewegen und ihm die Anliegen seiner Bürger etwas bedeuten würden. Menschlichkeit gebietet, was schon die Vernunft anrät: Ohne die Migrannten sind noch nicht mal die Renten sicher!

V.i.S.d.P.: Dr. H. Stamm

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