Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 26. Mai 2019

Ausgabe vom 11. August 1998

Flughafen Lübeck nur für Politiker

Zu: "Weiter im Aufwind". SZ vom 4. August

Man sollte die Umweltverschmutzung durch Lärm wesentlich stärker als bisher in Überlegungen bei der Jagd nach wirtschaftlichen Standortvorteilen beachten. Es ist sicher nicht dem wirtschaftlichen Potential Lübecks dienlich, wenn die Werktätigen den Streß eines Arbeitstages nicht in ruhiger Umgebung abbauen können und gereizt und aggressiv wieder an die Arbeit gehen.

Aber auch die Kinder, die schon durch die kommerzialisierte Reiz-überflutung stark strapaziert sind, sollten nicht durch staatlich geförderten Psychoterror zusätzlich gequält werden. Die meistgenannten Argumente der Wirtschaftsförderung dienen fast nur einem lokal mächtigen Meinungsmacher, der als Reiseveranstalter und Reisevermittler sehr am Flughafenausbau interessiert ist. Hier könnte sich die Unabhängigkeit unserer Politiker von der Zunft der Meinungsmacher erweisen!

Wo bleiben denn die Touristenströme, die nach Lübeck über den Flughafen einfallen? Lübeck als Zielflughafen lohnt sich nur für Staatspräsidenten und Politiker, die auf ihren Wahlkampfreisen dem von ihnen mitproduzierten Verkehrschaos entfliehen wollen.

Eintägige Flüge zu Opernbesuchen, zu Weihnachtsbaumeinkäufen in Lappland oder zum Shopping in Großstädten gefallen nur wenigen, bringen in Lübeck keinen Arbeitslosen von der Straße und keinen Kunden in die Geschäfte der Innenstadt. Sie verschmutzen nur die Umwelt mit Abgasen und Lärm und vergeuden mit dem Treibstoff wertvolle Rohstoffe, die späteren Generationen einmal fehlen werden.

Diese werden unsere Generation aus Verschwendern und Egoisten einmal für ihr kurzsichtiges Handeln verfluchen.

Horst Conrad, Groß Grönau

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