Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausgabe vom 17. Mai 2011

Die Geschichte der Viermastbark Passat

Seit 1960 liegt das Segelschiff in Travemünde • Legendärer Flying-P-Liner

Seit 1960 ist auf dem Priwall, gegenüber der Altstadt, vor dem Seglerhafen, der Liegeplatz des Viermasters „Passat“. Die „Passat“ wurde nach dem Leuchtturm zum zweiten Wahrzeichen Travemündes. Ein Jahr zuvor war sie außer Dienst gestellt, nachdem 1957 die ähnlich gebaute „Pamir“ gesunken war. Die Hansestadt Lübeck bewahrte sie vor dem Abwracken und holte sie nach Travemünde. Die „Passat“ ist einer der legendären „Flying-P-Liner“, deren Namen alle mit P begannen. Die „Peking“ ist heute in New York zu besichtigen, die „Padua“ segelt heute als „Kruzenshtern“ unter russischer Flagge und ist häufiger Gast in Travemünde. 1978 wurde die „Passat“ als Beispiel deutscher Seefahrtsgeschichte unter Denkmalschutz gestellt.

Das „flying“ steht für die damals unglaubliche Geschwindigkeit von 18 Knoten, die die „Passat“ mit 4.600 Quadratmeter Segelfläche an ihren vier 56 Meter hohen Masten und Rahen dem Wind entgegenstellte.

Der britische Dichter John Masefield, der schon als 13jähriger zu See ging, schrieb: „Ich sah die Passat unter vollen Segeln im Kanal vorbeiziehn, und kein Zweifel, sie war das grandioseste Schiff, das jemals gebaut, und wundervoll zu sehen, wie das großartige Gebilde durch das Wasser glitt, man erwartete geradezu, dass es sich heraushob und zu fliegen begann. Ich beobachtete die Passat bis sie außer Sicht war, weil ich wusste, dass ich solch Anblick nie mehr erleben würde.“

Damit allerdings wollen sich nicht alle Freunde der „Passat“ abfinden. Als hunderttausende Schaulustige Ende der 90er Jahre das Schiff, zwar nicht aus eigener Kraft, sondern von Schleppern gezogen, über die Trave gleiten sahen, da glänzte in vielen Augen der Wunsch, das stolze Schiff möge wieder hinaussegeln und Botschafter Lübecks für die großartige Geschichte dieser alten Hansestadt werben. Es gründete sich ein Verein, der es sich zur Aufgabe machte, dieses Ziel zu erreichen. Aber die Hansestadt Lübeck, die mit dem Kauf der „Passat“ einst soviel Weitblick bewiesen hat, lehnte ab.

Nun baut ein reicher Reeder eine Kopie, die wird dann über die Meere segeln. Die echte Passat wird bleiben, was sie seit über 40 Jahren ist: eine Begnungsstätte für junge Menschen und ein Wahrzeichen.

Aber werden die neuen Planken und Wanten des Nachbaus jemals so wissend und sehnsüchtig im Wind jammern?

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