Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 24. Mai 2011

Giftfass gehoben und entsorgt

Chlorsulfonsäure entwickelte Dämpfe • Schrott aus Kriegsjahren gefunden

Mitte April sorgten Rauchschwaden auf dem Gelände des Lübecker Flughafens für Aufruhr und auch Angst. Zunächst wurde davon ausgegangen, dass eine Substanz über den Flughafenzaun geworfen wurde. Nach erneuter Rauchentwicklung stand die Ursache jedoch bald fest: Ein 80-Liter-Fass mit Chlorsulfonsäure, ein Überbleibsel aus dem 2. Weltkrieg, hatte sich seinen Weg an die Oberfläche gebahnt und wurde durch die lezten beiden kalten Winter oder einem darüberfahrenden Fahrzeug beschädigt. Chlorsulfonsäure ist sehr reaktionsfähig und reagiert mit Wasser zu Schwefel- und Salssäure – dies verursacht die Nebelschwaden, die im Krieg als Sichtschutz gewollt waren. Die Chemikalie hat ätzende Eigenschaften und darf nicht mit Haut in Berührung kommen.

Zur Bergung des Fasses, die zeitlich so gelegt wurde, dass der Flugverkehr nicht eingeschränkt werden musste, rückten am vergangenen Dienstag drei Spezialfirmen an: das Sachverständigenbüro Mücke, die Umweltfirma Possehl und die Gesellschaft für Kampfmittelbeseitigung aus Mecklenburg-Vorpommern.

„Nach Entdeckung des Stahlfasses haben wir eine zweite Anomalie fest gestellt, die ebenfalls untersucht und geborgen wird“, sagte Umweltsenator Bernd Möller (Grüne). Der weitere Fund entpuppte sich als harmlose Überreste zweier Propeller-Flugzeuge, einer Messerschmitt 110 und einer Heinkel 111, sowie Schrott aus Kriegszeiten, der auf dem Flughafengelände vergraben wurde.

Der neue Flughafen-Chef Jürgen Friedel, im Amt seit dem  1. Mai, sagte vor der Bergung: „Wir gehen davon aus, das alles glatt läuft.“ Und das lief es auch. Bei der Bergung des Giftfasses traten zwar sogleich wieder giftige Dämpfe aus, verlief aber unproblematisch. Die Entsorgung (Verbrennung) übernahm Possehl Umweltschutz. Der mit Säure durchsetzte Boden wurde abgetragen und durch unbelasteten ausgetauscht. Die Kosten für die Bergung werden zunächst von der Hansestadt Lübeck getragen. „Es ist aber noch zu klären, ob die Bergung in die Zuständigkeit des Bundes fällt“, so Senator Möller.            msn

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