Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 23. Mai 2019

Ausgabe vom 11. August 1998

Ein Streifzug durch die Vergangenheit

Stadtwerke zeigen noch bis Ende August Hausgeräte von anno dazumal - Sehenswerte Exponate

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Käthe Schuch saugt mit einem Modell von 1925; Fotos (2): C. Przywara

"Oh Gott, was für eine Arbeit." Beim Anblick einer alten Waschmaschine mit Wringe steigt in Käthe Schuch die Erinnerung an mühselige Waschtage auf, die vor der Erfindung dieses "vorsintflutlichen" Modells aus den 60er Jahren zu den Pflichten der Frauen zählten. Die 77jährige ist Besucherin der Stadtwerke-Ausstellung von Hausgeräten von anno dazumal, die zum 100. Jahrestag der Kundenberatung gezeigt wird.

"Frauenlob" heißt die Wäschepresse aus Omas Zeiten, und "Ideal-Strahlsonne" wird die Höhensonne mit Rotlicht aus dem Jahr 1929 gepriesen. Für die gibt es noch den Garantieschein - und die Gebrauchsanweisung von einst. Sage und schreibe 61 Leiden sind dort aufgelistet, die das Rotlicht angeblich erfolgreich bekämpfen könne, von Ab-szessen und Appetitlosigkeit über Menstruationsbeschwerden und Schlaflosigkeit bis hin zu Stuhlverstopfung und Zahnschmerzen.

Und so ganz nebenbei könne das wärmende Licht aus Graz auch noch vorzügliche Dienste beim Trocknen der Haare und beim "Ski wachseln" leisten. Bei so vielen "vorzüglichen Anwendungsmöglichkeiten" soll es kein Stromkonsument versäumen, sich die Ideal-Strahlsonne anzuschaffen, wird auf dem nun vergilbten Dokument em-
pfohlen.

Der Trend zu multifunktionellen Geräten war offensichtlich typisch für die 50er Jahre. In der Ausstellung ist beispielsweise ein "Universalmotor" von 1953 zu sehen, der sowohl als Kreissäge als auch als Staubsauger verwendet wurde. "Damals gab es weniger Stellfläche, und die Menschen waren mehr handwerklich tätig", erklärt Energieberaterin Leonore Hering, Initiatorin der Ausstellung. "Aber die Geräte haben sich letztlich doch nicht so durchgesetzt wie erhofft." Geräte, die speziell für einen Zweck gebaut würden, verbrauchten schließlich weniger Energie. Zudem sei ihre Qualität besser.

Interessante Details

Wer ausführlich durch die Ausstellung stöbert, findet immer wieder interessante Details: So ist beispielsweise eine winzige gebratene Gans auf den Schaltern eines alten Herdes abgebildet - die Extra-Einstellung für den Gänsebraten. Es gibt auch einen winzigen elektrischen Puppenherd aus den 50er Jahren mit einem offensichtlich benutzten Kuchenblech zu sehen, ein uraltes Heizkissen mit freiliegenden Kabeln, einen Wasserkocher und eine Kaffeemaschine aus Porzellan sowie einen Gaszähler von 1927, der in der ehemaligen DDR noch bis zur Grenzöffnung in Betrieb war.

Leonore Hering hat ein altes Hörncheneisen ihrer Mutter beigesteuert, das, so beweisen die kleinen, zartbraun gebackenen Röllchen daneben, offensichtlich noch seinen Dienst tut. Einen Reisefön aus den 20er Jahren hat Christine Posselt, zuständig für die

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