Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ausgabe vom 31. Mai 2011

Friedlich schnarchende Provinz

Autorin: Dr. Hildegund Stamm

BUNT

In der vergangenen Woche hat die Bürgerschaft einen Bericht des Bürgermeisters zu den internationalen Aktivitäten der Hansestadt zur Kenntnis genommen. Schon der geringe Umfang des Papiers zeigte es: Hier bewegt sich nichts. Etliche Städtepartnerschaften, die einstmals mit viel öffentlichem Getöse ins Leben gerufen wurden, bestehen nur noch der Form nach. Lediglich mit drei unserer Partnerstädten ist es in den letzten fünf Jahren gelungen, wenigstens einen einzigen Kontakt im Jahr aufzuweisen. Wer sich für das Thema der interna-tionalen Zusammenarbeit Lübecks interessiert, weiß schon seit langem, dass hier so gut wie nichts geschieht. Der Auftritt des Bürgermeisters im Rahmen der Hanse dient allein seiner Eitelkeit und kann nicht sein Desinteresse an echter internationaler Zusammenarbeit verdecken. Dabei ist Lübeck aufgrund seiner Randlage in Deutschland darauf angewiesen, aus diesem Nachteil die richtigen Schlüsse zu ziehen und seinen Wirkungskreis in einen großen Radius auf die skandinavischen und baltischen Länder sowie Polen und Russland zu legen. Die Blüte Lübecks in der Hansezeit erwuchst gerade aus dieser Internationalität und den regen Kontakten im Städtenetzwerk rund um die Ostsee. Das alles ist inzwischen von einer friedlich schnarchenden Provinzialität verdrängt worden. „Im Hinblick auf reduzierte Personalresssourcen und beschränkter Haushaltsmittel (7500 Euro) kommt ein Ausbau der internationalen Arbeit nicht in Betracht“, heißt es in dem Bericht des Stadtoberhauptes. Auch hieran sollte man denken, wenn gegen Ende des Jahres ein neuer Bürgermeister gewählt wird.

V.i.S.d.P.: Dr. H. Stamm

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