Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 21. Oktober 2017

Ausgabe vom 28. Juni 2011

Gedenken an Lübecks Märtyrer

Übergabe des päpstlichen Briefes • Ansturm nicht so stark wie erwartet

Doppelte Premiere am Sonnabend in Lübeck: Die katholische Kirche führte die erste Seligsprechung in Norddeutschland durch. Und erstmals feierten evangelische und katholische Christen ein solches Fest gemeinsam. Angelo Kardinal Amato verlas auf der Parade den Brief des Papstes zur Seligsprechung von Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller.

Es war eine der größten christlichen Veranstaltungen, die Lübeck jemals erlebt hat: Auf der Parade war vor dem Dom eine große Bühne aufgebaut. Rund 1500 Lübecker hatten Einlasskarten bekommen und konnten den Gottesdienst direkt verfolgen. Weitere Christen verfolgten die Seligsprechung im Lübecker Dom. Auch auf der Freilichtbühne war eine Videoleinwand aufgebaut. Der Ansturm war allerdings nicht so stark wie erwartet.

Aus ganz Norddeutschland waren Würdenträger aus Kirche und Politik gekommen, unter anderem Ministerpräsident Peter Harry Carstensen und der Bischof von Hannover Ralf Meister, früher Propst in Lübeck. Erzbischof Dr. Werner Thissen, der die Seligsprechung seit Jahren vorbereitet hatte, legte Wert darauf, dass evangelische und katholische Christen gemeinsam feiern.

Die Seligsprechung selbst war unspektakulär. Angelo Kardinal Amato, Präfekt der Kongregation für die Heiligsprechungen, verlas den lateinischen Brief des Papstes. Im weiteren Verlauf wurde dann neben den drei selig gesprochenen Kaplänen auch dem evangelischen Pastor Karl Friedrich Stellbrink gedacht. So wurde ein aus vier einzelnen Kerzen bestehendes Licht entzündet von Regina Pabst, Sprecherin des Arbeitskreises 10. November, Gerhard Nürnberg, Sohn des Mitinhaftierten Bruno Nürnberg, Pfarrer i.R. Heinrich Stenzaly, früher Kaplan in Lübeck, sowie Waltraut Kienitz und Anke Laumayer, Tochter und Enkelin von Pastor Stellbrink. Die Lesung im Gottesdienst übernahm unter anderem Petra Kallies, Präpstin des evangelischen Kirchenkreises.

Am 10. November 1943 wurden die Lübecker Kapläne Hermann Lange, Johannes Prassek, Eduard Müller und der evangelische Pastor Karl Friedrich Stellbrink in Hamburg hingerichtet. Sie hatten in Predigten und Glaubensgesprächen die Verbrechen des Nationalso-
zialismus verurteilt, außerdem Flugblätter vervielfältigt und kritische Informationen ausgetauscht. Unter anderem hatten sie die Predigten des Kardinals von Galen aus Münster verbreitet.        vg

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