Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausgabe vom 18. August 1998

Glosse

Blick in Kataloge und plumpe Polemik

Wie langweilig wäre doch ein Sommer ohne das obligatorische Sommertheater! Wie schön, daß einige Medien das Thema schlechthin gefunden haben: Die so gnadenlos hochverschuldete Stadt Lübeck, geleitet von einem unfähigen Bürgermeister, der seine Verwaltung bekanntlich wie ein absolutistischer Herrscher führt, leistet sich doch tatsächlich den Luxus einer hochmodernen Beschallungsanlage. Hört, hört! 286 000 Mark soll sie kosten, teilt die Verwaltung mit und steht gleich danach völlig zu Recht am Pranger.

Selbsternannte Experten fühlen sich seit Wochen berufen, ihr ach so profundes Fachwissen unter Beweis zu stellen und der Stadtverwaltung einmal so richtig ihre Meinung zu sagen.

Völlig unfähig sind die Damen und Herren in den einzelnen Bereichen der Verwaltung - und skrupellose Geldverschwender obendrein. Ist ja auch nicht ihr Geld, das da verpraßt wird, schimpfen die Experten in Leserbriefen und Pressemitteilungen.

Der Blick in den Elektronik-Katalog zeigt doch eindeutig: Man nehme ein Dutzend günstige aber gute Mikrofone, füge ein preiswertes Mischpult hinzu, besorge sich einen DAT-Rekorder, beauftrage einen Elektriker, ein paar Strippen zu ziehen und verbinde das Ganze mit den vorhandenen Boxen im Bürgerschaftssaal, die schließlich noch gut in Schuß sind. Das kostet dann vielleicht 10 000 Mark, aber längst nicht so viel wie ein Einfamilienhaus.

Andere Experten rechnen ebenfalls und kommen auf Summen von 95 000 Mark. Daß sie dabei nicht den Gesamtumfang der Arbeiten kennen und die Anforderungen an die Beschallungsanlage und die damit verbundene Technik außer acht lassen - ist das denn wichtig? Es genügt doch, der Stadtverwaltung Steuerverschwendung vorzuwerfen.

Nach und nach wachen Journalisten auf, die das Thema bislang links liegen ließen, und es wird weiter munter draufgeschlagen - selbst wenn Fachleute befragt werden und diese den Medienvertretern ausführlichst erklären, welche technischen Anforderungen und welches Leistungsvermögen sich hinter dem Oberbegriff Beschallungsanlage verbergen.

Wozu den historischen Parkettboden aufnehmen und den verschlissenen Teppich (zusammen 80 000 Mark der Gesamtsumme von 286 000 Mark) erneuern, wenn doch Experten genau wissen, daß man keine Leitungen im Boden verlegen muß, da es doch die Übertragungsmöglichkeiten Infrarot oder Funk gibt? Daß bei der Infrarot-Lösung die Übertragungsqualität mies ist und beim Funk die Möglichkeit des Abhörens besteht - das erklären die Fachleute den Journalisten zwar. Aber es gleich der

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