Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 26. Juli 2011

Liebestöter Lübeck

Autorin: Rita Madaus

Bürger für Lübeck

Neben Grünstrand-, Haushalts- und Flughafenproblematik nehmen sich Vorhängeschlösser auf den ersten Blick als untergeordnete Randerscheinungen aus. Und doch haben sie ihren Stellenwert: Hier hat sich eine eigenständige Entwicklung aus reiner Bürgerinitiative ergeben, und dieser „Bürgerwille“ ist blindlings, instinktlos, emotionslos und in rasanter Geschwindigkeit niedergemetzelt worden. Hier hätte sich eine sinnvolle Attraktion entwickeln können: ein touristischer Anziehungspunkt, eine romantische, ideelle Nuance zwischen neuer und älterer Architektur, eine ewige Verbundenheit mit Lübeck für Touristen und Einheimische, ein ideologisches Kleinod zwischen Sachlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Rationalität. Welche Chancen werden hier verspielt. Müssen Rost und Romantik zwangsläufig inkompatibel sein? Reine Verständnislosigkeit bleibt angesichts der Kommentare aus Verwaltungsmund: „Keine Ehe scheitert, wenn die Stadt die Schlösser abknipst“: Welch eindimensionale Logik? Was hat symbolhafte Emotionalität mit einer Scheidung zu tun? „Die Schlösser sind bloß eine Modeerscheinung“, die aber bei aller Vergänglichkeit zu jeder Zeit von impulsgebend bis revolutionär facettenreich wirken. Sie bieten hinreichend Gesprächsstoff und sind eine Bereicherung des Alltags. Ohne Not wird hier eine Chance vertan und die Hanse-, Kultur- und Wissenschaftsstadt Lübeck in der Außenwirkung in eine Liebestöter-Stadt verwandelt. Bleibt zu hoffen, dass sich inmitten von Rost-Argumentation und Gefühlskälte ein paar romantische Seelen für eine schnelle und dauerhafte Wiederbelebung der Liebesbrücke finden.

V.i.S.d.P.: Dr. Raimund Mildner

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