Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 21. Oktober 2017

Ausgabe vom 02. August 2011

Der Kampf gegen zuviel Alkohol

Das Bündnis gegen Alkoholmissbrauch verstärkte die Arbeit auf der Travemünder Woche

2,64 Promille. Dieser Wert wurde bei einem 16-jährigen Jungen gemessen. Er musste ins Krankenhaus gefahren werden. Ein trauriger Einzelfall der 122. Travemünder Woche.

Hunderte, tausende Jugendliche strömen jedes Jahr auf die Festmeile des Spektakels. Sie wollen feiern. Spaß haben. Sie sind jung und fast noch Kinder. Oft haben sie ihre eigenen alkoholischen Getränke im Gepäck. An den Verkaufsständen ist das Jugendschutzgesetz ausgehängt. Dieses besagt, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren keinen Alkohol trinken dürfen. Von 16 bis 18 Jahren darf nur Bier, Wein und Sekt getrunken werden. Alle „härteren“ Sachen, auch Alkopops, Mixgetränke, Bowle mit Branntwein sind erst ab 18 Jahren erlaubt.

Freitagabend, die Bässe brummen. Die Meile der Travemünder Woche füllt sich. Der Duft der Imbissbuden vermischt sich in der Luft. Ute Pape und Steffi Haase mit ihren Kolleginnen und Kollegen vom Lübecker Ordnungsdienst zollen weder der Musik noch den Gerüchen Beachtung. Mit geübtem Blick sprechen sie Jugendliche an, die Alkohol trinken und noch unter 18 sein könnten. Einige junge Leute kommen infrage und und sie müssen pusten. Ein paar von ihnen haben 0,0 Promille und sind froh, wieder verschwinden zu dürfen. Eine junge Dame hat einen erhöhten Promille-Wert. Ihre Personalien werden aufgenommen und die Eltern informiert. Ordnungsdienstleiter Kai Soomann kippt derweil den gemixten Wodka-Redbull aus der 1,5 Liter-Flasche. „Bei unter 16-Jährigen rufen wir bei Atem-
alkohol immer die Eltern an“, erklärt er. Bei über 16-Jährigen und dem Wert ab 0,5 Promille auch. „Dann sollen die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder holen. Ab dem Wert von 1,0 Promille müssen sie abgeholt werden.“

Drei Büro-Container sind aufgebaut: In einem werden die Personalien aufgenommen, im anderen warten die Jugendlichen auf ihre Eltern und im dritten steht eine Liege für die harten Fälle bereit. „Die wurde in diesem Jahr schon gebraucht“, so Soomann, der während der Travemünder Woche Schichten von 16 Uhr bis Open End, auch mal bis fünf Uhr morgens, schob. Der Ordnungsdienst ist ein Partner im Aktionsbündnis gegen Alkoholmissbrauch, das im Jahr 2005 angestoßen wurde. Seit 2009 wird das Bündnis vom Kinder- und Jugendschutz des Jugendamtes koordiniert. Es füllt sich kontinuierlich mit Leben. Die Bereiche Gewerbeangelegenheiten, Ordnungsdienst und der Kinder- und Jugendschutz des Jugendamtes Lübeck sowie die Landespolizei und die Vorwerker Diakonie sind von Anfang an mit im Boot. Diesjährig kamen die Bundespolizei, die Bundesbahn und die Lübecker Verkehrbetriebe hinzu. „Der Zusammenschluss vieler Partner erleichtert die Arbeit und sorgt für kurze Wege in der Kommunikation“, berichtet Lübecks Jugendschutzbeauftragte Annette Eickhölter. Erstmalig dabei waren auf Initiative des Bündnisses auch Janne Schmidt (21) und Lisa Becker (18) von „Na toll!“, einer Einrichtung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die Mädchen informieren Jugendliche quasi auf Augenhöhe über den Umgang mit Alkohol und lassen sie anonym auf Kärtchen Fragen beantworten. „Und die Reaktionen sind richtig gut“, sagt Abiturientin Lisa. Die Jugendlichen seien sehr offen und es entstünden oft gute Gespräche.

„Es ist wünschenswert, dass verschiedene Institutionen an einem Strang ziehen“, sagt Stefan Muhtz, Pressesprecher der Polizeidirektion Lübeck. „Und wenn das wie beim dem Aktionsbündnis funktioniert, ist das schon die halbe Miete!“ Wichtig sei, dass Handeln vor Ort praktiziert wird. „So bekommt man die Zielgruppe gut zu packen“.

„Wir wollen, dass Kinder und Jugendliche unter günstigen Bedingungen aufwachsen. Dazu gehört auch, sie zu schützen – indem, wenn sie Alkohol gebrauchen, ihn nicht missbrauchen“, fügt Annette Eickhölter hinzu. Das Augenmerk des Jugendschutzes liege dabei nicht nur auf Festen wie der Travemünder Woche. „Diskobesuche, Treffpunkte in der Innenstadt und Internetcafés gehören ebenfalls dazu.“, so Eickhölter. Der Kinder- und Jugendschutz führt bei der Übergabe Gespräche mit den Eltern. Sollte weitergehender Beratungsbedarf deutlich werden, vermittelt der Kinder- und Jugendschutz eine Betreuung durch das Jugendamt.

„Das glaub ich ja jetzt nicht!“ Steffi Haase ist entsetzt. Sie und ihre Kolleginnen haben einen Pulk Jugendlicher mit je einem Maß Bier in der Hand eingekreist. „Die dürften aber gerade mal 14 sein!“. Die Frau hat recht. Sechs 14-Jährige sitzen nun im Container. Kinderaugen gucken recht verzweifelt drein. Das Bier habe ein 15-Jähriger Kumpel geholt, so die Aussage. Er musste seinen Ausweis zeigen, hielt aber den Daumen über das Datum. Der genannte Verkaufsstand wird überprüft. Die Verkäuferin streitet zunächst alles ab. Das hilft ihr nicht. Ihre Personalien werden aufgenommen, es erwartet sie eine Anzeige wegen des Verstoßes gegen das Jugendschutzgesetz. Der Standbetreiber wird ebenfalls informiert. Die Ordnungswidrigkeit wird mit einer Geldbuße geahndet.        msn

 

Zurück zur Übersicht

 
Jetzt Werbung schalten auf www.luebeck.de