Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 23. Juli 2019

Ausgabe vom 18. August 1998

Editorial

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Liebe Erstkläßler, wenn auch nicht die Völker der Welt auf Euch schauen, so doch immerhin Eure Eltern, Großeltern und alle weiteren Verwandten. Denn für Euch beginnt in dieser Woche der Ernst des Lebens - und noch wißt Ihr womöglich gar nicht, worauf Ihr Euch da eingelassen habt. Immerhin seid Ihr die Generation, die eine Erblast abzutragen hat. Die Stiftung Lesen hat nämlich kürzlich festgestellt, daß wir Deutschen immer mehr zu Analphabeten werden, weil, na klar, zu wenig gelesen und zu viel ferngesehen wird.

Diese alarmierende Erkenntnis haben wir bereits vor vielen Jahren zur Kenntnis nehmen müssen, damals, als uns unsere Eltern vorgelesen haben, daß wir zu wenig lesen und zu viel fernsehen. Und unsere Eltern, so wurde uns von unseren Großeltern überliefert, hätten auch schon zu wenig gelesen, dafür aber wenigstens nicht zu viel ferngesehen.

Liebe Erstkläßler, es hilft also nichts, Ihr müßt jetzt beweisen, daß wir nicht auf dem Weg in die Analphabetenrepublik sind. Ab sofort ist das Fernsehen gestrichen - und zu Weihnachten gibt's als schöne Bescherung die "Buddenbrooks" unter den Baum.

Daß es Aufgabe der Stiftung Lesen ist, Defizite aufzuzeigen, verschweigen wir Euch lieber; deshalb sind wir jetzt eigentlich sogar froh darüber, daß Ihr nicht schon vor der Einschulung gelesen, sondern nur ferngesehen habt. Wo ließen wir sonst den pädagogischen Zeigefinger? Ihre (und Eure) SZ-Redaktion

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