Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 13. Dezember 2017

Ausgabe vom 09. August 2011

Hohe Kultur in Lübecks guter Stube

Autor: Calogero Ciulla

BUNT

Auf dem Markt, dem attraktivsten Areal der Hansestadt am Rathaus, sollen nur hochwertige Fest- und Kulturveranstaltungen erlaubt sein. Dies hat die Bürgerschaft vor einiger Zeit festgelegt, um imageschädigende Sauf- und Fressgelage in Lübecks „Guter Stube“ zu unterbinden und Gerümpelbuden, Abzockestände und als Musik getarnten ruhestörenden Lärm aus dem Herzen des Weltkulturerbes zu verbannen. Arglos begab ich mich zu den Deutsch-Italienischen Tagen, die am vorletzten Wochenende auf dem Markt angekündigt waren. Als gebürtiger Sizilianer freut mich alles, was mit Italien zu tun hat, sofern es nicht an Berlusconi, Müllskandal oder Finanzpleite erinnert. Was ich auf dem Markt erlebte, war jedoch niederschmetternd: Bratwürste, Schwenkschnitzel und Poffertjes von Marktbeschickern, die man bei allen Veranstaltungen in Lübeck ertragen muss – dazu als Alibi italienische Pizza umrahmt von einem italienisch schmetternden Tenor. Na toll! Das ist also das geforderte Qualitätsniveau für Veranstaltungen auf dem Markt. Einige Wochen zuvor sah es schon einmal genauso aus: Damals nannte sich das Ganze noch Deutsch-Dänische Tage - mit Bratwürsten, Schwenkschnitzel und Poffertjes. Sind ein paar Essenspezialitäten schon Kultur genug? Aber wen juckt’s? Ab zwei Promille ist alles auf der Welt Kultur. Ein Tipp von mir: Man sollte die Zelte und Buden ganzjährig stehen lassen und daraus Deutsch-Spanische, Russische, Französische oder Tunesische Tage machen, um die beim Discounter eingekaufen Billig-Esswaren den dummen Touristen als Landesspezialität und Kultur unterzujubeln. Merkt’s einer noch?

V.i.S.d.P.: Dr. Hildegund Stamm

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