Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 23. August 2011

Geldspritze für das Buddenbrookhaus

Haushaltsausschuss des Bundestages unterstüzt Erweiterung mit 300.000 Euro

Das Buddenbrookhaus ist an der Grenze seiner Kapazität angelangt. Rund 60.000 Besucher im Jahr, etwa 550 Gruppen, die betreut werden wollen, Bibliothek, Arbeitsräume, Geschäftsstellen mehrerer Literaturgesellschaften – mehr lässt sich im Gebäude Mengstraße 4 nicht unterbringen.

Holger Pils, Leiter des Hauses: „Für uns ist oft die Frage ‚Ausstellung oder Veranstaltungen’?“ Abhilfe scheint in Sicht, wenn auch nicht heut oder morgen. Professor Hans Wißkirchen erläuterte kürzlich vor Politikern aus Berlin und Kiel: Vor eineinhalb Jahren habe man das Nebengebäude, Mengstraße 6, das sogenannte Torhaus, erwerben können. In Zukunft sollen beide Gebäude vereint werden. Wißkirchen: „Es war eine einmalige Chance, denn sonst ist das Buddenbrookhaus nach keiner Seite hin erweiterbar.“ Bis zur Einweihung werden noch einige Jahre ins Land gehen. Ende 2015 oder im Laufe des Jahres 2016 könnte es so weit sein.

Bei der Finanzierung ist man einen Schritt weiter gekommen. Bürgermeister Bernd Saxe, SPD-Kreisvorstandsmitglied Susanne Knoll und Kulturexperte Frank-Thomas Gaulin begrüßten Petra Merkel, die Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Bundestages und zuständig für Kultur, Bettina Hagedorn, MdB aus Ostholstein, die Lübecker Bundestagsabgeordnete Gabriele Hiller-Ohm sowie Wolfgang Baasch und Thomas Rother, Mitglieder des Landtags in Kiel.

Petra Merkel brachte frohe Kunde mit. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat beschlossen, die Pläne zur Erweiterung des Buddenbrookhauses mit einer Geldspritze von 300.000 Euro zu unterstützen. Die Gäste aus Berlin ließen sich ausführlich durch die Ausstellungen des Hauses führen. Hans Wißkirchen und Holger Pils gaben fachkundige Erläuterungen: Im Erdgeschoss zur Ausstellung über die Familie Mann, im ersten Obergeschoss zur Ausstellung über Thomas Mann und Richard Wagner, im zweiten Obergeschoss zum „Nobelpreisroman Buddenbrooks“. Die Gäste waren beeindruckt.

Anschließend saßen die Politiker und die Leiter des Hauses im Gewölbekeller beim Gespräch. Einzelheiten zur derzeitigen Situation und zur Zukunft wurden erörtert. Das Torhaus gehörte zum Karstadt-Imperium. Da der Konzern sich von etlichen Immobilien trennen wollte, ergab sich für Lübeck die Möglichkeit zum Erwerb. Durch Vermittlung einflussreicher Persönlichkeiten musste man nicht etwa einen Fantasiepreis zahlen. Prof. Wißkirchen gebrauchte sogar das Wort Schnäppchenpreis. Allerdings laufen die gültigen Mietverträge für das Torhaus noch etwa zwei Jahre, bis Mitte 2013. Erst danach könne es konkret werden.

Vorher aber seien Architektenwettbewerbe vorgesehen, müsse vor allem an der Finanzierung gearbeitet werden. Geplant sei nicht, ein zweites Haus hinzuzunehmen, sondern beide Gebäude möglichst geschickt miteinander zu verzahnen. Petra Merkel fragte auch nach den später sicher anfallenden höheren Personalkosten. Durch Mehreinnahmen hoffe man, einen Großteil des zusätzlichen Personals bezahlen zu können, sagte Wißkirchen. Da jetzt manche Anfrage, etwa von Gruppen, abgewiesen werden muss, sei eine Erhöhung der Einnahmen durchaus realistisch. Beim Umbau rechnet Wißkirchen mit der Beteiligung von Stadt und Land, hofft außerdem auf die Hilfe der Stiftungen, die sich immer wieder um Lübeck verdient machen. Lübeck könne durch „drei Nobelpreisträger mit je eigenem Haus“ weiterhin bei Touristen werben. Es gebe jetzt schon Urlauber, die wegen dieser Möglichkeiten in die Region kommen. Hier wirke sich auch jetzt schon die gute Kooperation zwischen Buddenbrook-, Willy Brandt- und Günter Grass-Haus segensreich aus.   jw

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