Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 22. Oktober 2017

Ausgabe vom 25. Oktober 2011

Wettstreit der Kandidaten

Debatte zur B├╝rgermeisterwahl in der St. Petri-Kirche

Dichtes Drängen herrschte am Donnerstagabend in der St. Petri-Kirche. Alle der rund 1000 Sitzplätze waren besetzt, die Stehplätze ebenso begehrt. Neugierig wurden die Hälse Richtung Bühne gereckt. Der Grund der Neugierde: Die Hansestadt Lübeck, das St. Petri-Kuratorium und die Lübecker Nachrichten luden zur großen Diskussionsrunde der sechs Bürgermeisterkandidaten, einer Frau und fünf Männern, ein. Zwei Stunden lang standen die Kandidaten den LN-Moderatoren, Schülern der Thomas-Mann-Schule sowie dem Publikum Rede und Antwort. Die wichtigsten Themen des Abends lauteten: Finanzen der Stadt, Kultur und Wirtschaft. In Lübeck wird am 6. November der Bürgermeister (oder die Bürgermeisterin) gewählt.

Hohe Schulden

Die Schulden Lübecks sind nicht schön zu reden. 2011 ist ein Defizit von 75 Millionen Euro prognostiziert (statt ursprünglich 90 Millionen, durch mehr Einnahmen von Gewerbesteuern um 15 Millionen gesunken), der komplette Schuldenbestand beträgt mit Kassenkrediten und Rückstellungen wie Pensionsansprüche beträgt rund 1,3 Milliarden Euro. Diese hohe Zahl sind auch der neuen Haushaltsführung Doppik zuzuschreiben. Hier kamen viele Bilanz- und Kostenpositionen hinzu, die in der früheren Kameralistik nicht auftauchten.

Lösungvorschläge

Amtsinhaber Bernd Saxe (SPD) hat ein hehres Ziel und will das Defizit Lübecks in drei bis vier Jahren auf Null fahren. „Dann kann mit dem Schuldenabbau begonnen werden.“ Für die Nicht-Weiterführung des Flughafens sprachen sich Thorsten Fürter (Grüne) und Jens Schulz (Linke) aus: „Wir müssen gucken, wo wir über unsere Verhältnisse leben“, so Fürter. Er sprach sich gegen den Verkauf des Tafelsilbers der Stadt aus. „Auch städtische Unternehmen können Gewinne erwirtschaften.“ Bernd Saxe hält am Flughafen fest, hofft weiter auf einen privaten Investor. Er schließt aus heutiger Sicht aber auch nicht aus, dass ab 2013 weitere Millionen in den Flughafen fließen werden. Einzelbewerber Harald Klix sieht Gelder in die Stadt fließen – und das vor allen Dingen durch viele Gewerbetreibende und einer geselligen abendlichen Hansestadt. „Von einer lebendigen Stadt ist Lübeck zum Friedhof geworden“, so Klix und zog sich damit das Erstaunen des Publikums zu.

Bunt-Bewerber Matthias Erz würde, um die Finanzen der Stadt auf die Reihe zu bringen, den Apparat der Stadtverwaltung modernisieren. „Mitarbeiter würde ich nicht entlassen, aber die Fluktuation nutzen. Und ich würde mich dafür einsetzen, dass das vorhandene Potential der Mitarbeiter gefördert wird, so dass die Verwaltung effizient arbeiten kann. Und ich würde auch mein eigenes Gehalt als Bürgermeister kürzen.“ CDU-Kandidatin Alexandra Dinges-Dierig will eine Reorganisation der Stadtverwaltung. „Verwaltungsabläufe müssen vereinfacht werden und frei gewordene Stellen nicht wieder besetzt werden.“ Sie setzt zudem auf das E-Government.

Erz ruft dazwischen: „Aber das gibt es doch schon!“ Jens Schulz will sich für mehr Arbeitsplätze und weniger Ausgaben stark machen.

In der Kultur sind sich alle einig: Sie soll nicht kaputt gespart werden. „Aktuell gibt es für Kürzungen keine Pläne“, sagte Saxe. Matthias Erz: „Wir können uns nicht nur auf die Stiftungen verlassen.“ Alexandra Dinges-Dierig hält vor allem das Hansemuseum wichtig für die Stadt: „Lübeck ist Königin der Hanse. Das Hansemuseum ist hier genau richtig und eine große Chance.“ Thorsten Fürter wünscht sich einen Kulturaustausch der Metropolregionen Hamburg und Lübeck. Kleine Kultureinrichtungen wie das Grenzmuseum Schlutup und das Kommunale Kino will er definitiv erhalten. Auch Harald Klix will die Kultur in Lübeck voranbringen. Für Jens Schulz ist die Subventionierung der Kultur unerlässlich.

Mehr Betten?

Für das Vorankommen der Wirtschaft in Lübeck wünscht sich Bernd Saxe unter anderem viel mehr Betten in Travemünde. „4000 Betten im Vergleich zu 11.000 Betten in Timmendorfer Strand sind zu wenig!“ Er ist deshalb für die Bebauung des Grünstrandes. Alexandra Dinges-Dierig meint dazu: „Es gibt genügend andere, ebenfalls geeignete Flächen.“    msn

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