Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 12. Dezember 2017

Ausgabe vom 15. November 2011

Fragen und Antworten zur Integration

Direktorin der Gemeinn├╝tzigen setzt auf Wachstum jedes Einzelnen

Ist Lübeck – Ihrer Wahrnehmung nach – offen und bereit ein Miteinander zu organisieren, statt nur ein Nebeneinander zu ertragen?

Selbstverständlich ist Lübeck offen und bereit, ein Miteinander zu organisieren; das sehen wir z.B. am Haus der Kulturen, am Migrationsbeirat, an den vielen Vereinen, die anderen Kulturen gewidmet sind, wie z. B. die Polnisch-Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft e.V. und vielem mehr. Ein Miteinander ist in einer offenen pluralistischen Gesellschaft unabdingbar und wir Lübecker haben gelernt, alle Menschen, die uns begegnen, entsprechend zu behandeln und wertzuschätzen. Heribert Prantl hat übrigens kürzlich in der SZ darauf hingewiesen, dass es die Deutschen sind, die sich in eine veränderte Gesellschaft integrieren müssen!                   

Was unternimmt Ihre Institution, Einrichtung oder Firma für eine gelingende Integration?

Unsere gemeinnützige Gesellschaft widmet sich insbesondere im Vortragswesen beständig anderen Kulturen. Viele der uns angeschlossenen Vereine kümmern sich hauptsächlich um einen Kulturkreis, wie z.B. die Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft Lübeck e.V. (DIAG), die 26 Länder in Europa und Amerika vertritt. Bei der Zurverfügungstellung von Wohnraum für Studenten hat unsere Gesellschaft insbesondere ausländische Gäste im Blick. Unser „Bürgergast“ trägt Lübecks Namen in die Welt und repräsentiert das jeweilige Land, aus dem er stammt, bei uns. Auch das Programm des Kolosseums ist geleitet von der Idee der Präsentation fremder Kulturen.

Was meinen Sie, müsste Politik unternehmen, um die Beteiligung für Menschen mit Migrationshintergrund attraktiv zu machen?

Gelingende Integration ist nicht nur eine Frage des Geldes. Das zu denken, wäre ein großer Irrtum. Vertreter von Schulen, Sportvereinen, Jugendklubs, Diskotheken, Jugendkneipen und –cafés sowie Kirchen müssen dringend zusammenkommen, um ein gemeinsames Vorgehen abzusprechen. Integration muss gewollt und gelebt werden – überall, jeden Tag und jede Stunde. Dafür müssen sich alle einsetzen, jeder an seinem Platz.

Mit welchen Worten könnten Sie diese Jugendlichen motivieren, dass sie für sich eine Chance in der Gesellschaft sehen?

Jeder junge Mensch wird gebraucht. Jedes Leben ist – gleich – wertvoll. Jeder Mensch hat Stärken (und Schwächen). Jeder junge Mensch erfährt seine Würde in besonderer und stärkender Weise, wenn er seine Kompetenzen und Möglichkeiten aktiv (und auch ehrenamtlich) in unsere Gesellschaft einbringt. Es wird ihn auch persönlich voranbringen. Er wird an emotionaler, geistiger und sozialer Reife gewinnen – und er wird glücklicher – übrigens unabhängig von Facebook! Was kann man mehr wollen? 

Eine Frage zum Abschluss: Thomas Mann hat durch seine Mutter – Julia da Silva Bruhns – brasilianischen Migrationshintergrund. Wussten Sie das?

Als Literaturwissenschaftlerin und Lübeckerin weiß ich natürlich über die biografischen Hintergründe der Mann’schen Familie Bescheid. Es gibt schon lange Bemühungen, das Geburtshaus der Familie da Silva-Bruhns in Paraty langfristig zu sichern und eine - wie auch immer geartete – offizielle Verbindung zu Lübeck herzustellen. In der Tat könnte man eventuell mit dem Fokus auf die gesamte Familie das Thema Integration positiv aufgreifen. Interessant wäre dann vielleicht eine etwas erweiterte Perspektive, in der auch andere Mitglieder der Familie Mann betrachtet werden können. Im Übrigen bedarf jeder Mensch der Integration in jedem anderen Land außer seinem Herkunftsland, das gilt auch für jene Länder, in denen der exilierte Thomas Mann gelebt hat beziehungsweise leben musste. 

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