Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 20. Oktober 2017

Ausgabe vom 13. Dezember 2011

Wie kann Integration gelingen?

MuK-Geschäftsführerin Ilona Jarabek will den Blick über den Tellerrand hinaus

In unserer Serie zur Integration in der Hansestadt kommt heute Ilona Jarabek, Geschäftführerin der Musik- und Kongresshalle, zu Wort.

Seit dem 5. September ist Jarabek zudem Vorstandsvorsitzende der Marketingkooperation „lübeckkongress". Die Kooperation engagiert sich für den Kongress- und Tagungsstandort Lübeck und Travemünde.

Lesen Sie nun die Fragen und Antworten zur Integration:

Zu einer gelebten Willkommenskultur gehört Toleranz gegenüber dem Fremden und das Bewusstsein, dass sich eine Gesellschaft durch den Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt wandeln und verändern wird. Ist Lübeck – Ihrer Wahrnehmung nach – offen und bereit ein Miteinander zu organisieren, statt nur ein Nebeneinander zu ertragen?

Lübeck ist auf einem guten Weg, das Miteinander in der Hansestadt zu stärken. Es gibt viele einzelne Engagements und Akteure in Vereinen, Verbänden, Institutionen und nicht zuletzt auch in den Serviceclubs der Hansestadt.

Bei der Integration geht es immer um einen wechselseitigen Prozess, nicht um Anpassung oder Assimilation. Was unternimmt Ihre Institution, Einrichtung oder Firma für eine wirksame Integration?

Die Gesellschaft einer Stadt spiegelt sich in der kulturellen Vielfalt wider, daher unterstützt die MuK auch das Forum für Migranten. So wurde jüngst eine Umfrage bei Zugewanderten mit dem Thema „Interkulturelle Öffnung der Lübecker Kulturinstitutionen" mit initiiert und unterstützt. In der MuK waren und sind Mitarbeiter/Innen mit Migrationshintergrund beschäftigt, was übrigens bei der Einstellung keine Rolle gespielt hatte, da standen und stehen Qualifikationen und Kompetenzen im Vordergrund. Auch bei unseren Praktikantenstellen berücksichtigen wir Jugendliche mit Migrationshintergrund.

Die defizitäre Lage der öffentlichen Haushalte wirkt erschwerend, adäquate Bedingungen für eine wirkliche Chancengleichheit zu schaffen. Ist eine gelingende Integration Ihrer Meinung nach, angesichts der angespannten Haushaltslage denkbar? Welche Akteure müssten gemeinsam ins Boot, um einen erfolgreichen Kurs anzusteuern?

Integration hat meiner Meinung nach erst einmal nichts mit Kosten zu tun. Ein Miteinander beginnt in der Einstellung der Mitmenschen, also im Kopf, und sollte in die Gesamtstrategie einer Stadt eingebunden werden. Also weniger Integrationspolitik als vielmehr integrative Familien- und Bildungspolitik, mehr Miteinander als Füreinander handeln. Für die Umsetzung sollten Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Kirchen gemeinsam handeln. Hilfreich ist auch immer der Blick über den eigenen Tellerrand hinaus – es gibt sicher schon gute Beispiele in anderen Kommunen. Das Rad muss nicht immer neu erfunden werden, lediglich seine Handhabung.

Gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss stärker bewusst werden, dass ihre interkulturellen Kompetenzen und Potenziale von der Gesellschaft anerkannt und gebraucht werden. Häufig ist es aber so, dass sie durch diskriminierende Alltagserfahrungen demotiviert sind.

Mit welchen Worten könnten Sie diese Jugendlichen motivieren, dass sie für sich eine Chance in der Gesellschaft sehen?

Erkennt eure persönlichen Interessen und Stärken und verfolgt euren Wunsch zielstrebig, ohne euch von Rückschlägen bremsen zu lassen! Geduld und Freundlichkeit, und bitte nicht in die Negativspirale der self fulfilling prophecy verfallen.

Eine Frage zum Abschluss: Thomas Mann hat durch seine Mutter – Julia da Silva-Bruhns – brasilianischen Migrationshintergrund. Wussten Sie das?

Nein, ist das denn wichtig, um Thomas Mann wert zu schätzen?

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