Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 27. Dezember 2011

Wie kann Integration gelingen?

Wolfgang Werner von der Agentur für Arbeit gibt heute die Antworten

Lesen Sie heute die Antworten zur Integration vom Vorsitzenden der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit, Wolfgang Werner.

Zu einer gelebten Willkommenskultur gehört Toleranz gegenüber dem Fremden und das Bewusstsein, dass sich eine Gesellschaft durch den Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt wandeln und verändern wird. Ist Lübeck – Ihrer Wahrnehmung nach – offen und bereit ein Miteinander zu organisieren, statt nur ein Nebeneinander zu ertragen? Als Hansestadt pflegte Lübeck schon traditionell immer Handel mit anderen Staaten und Kulturen und ist in meinen Augen auch jetzt eine weltoffene Stadt.

Bei der Integration geht es immer um einen wechselseitigen Prozess, nicht um Anpassung oder Assimilation. Was unternehmen Sie, bzw. was unternimmt Ihre Institution, Einrichtung oder Firma, für eine wirksame Integration?

Im Rahmen einer auf Chancengleichheit ausgerichteten Personalpolitik nutzen wir die Vielfalt der Kompetenzen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Einstellung von Nachwuchskräften mit Migrationshintergrund ist sogar eines unserer geschäftspolitischen Ziele. In der Bundesagentur für Arbeit sind Personen aus über 60 verschiedenen Ländern tätig. Auch im Rahmen des gesetzlichen Auftrages zur Integration Arbeitsloser und junger Menschen stehen bei der Arbeitsagentur und dem Jobcenter Lübeck Migranten in besonderem Fokus.

Die defizitäre Lage der öffentlichen Haushalte wirkt erschwerend, adäquate Bedingungen für eine wirkliche Chancengleichheit zu schaffen. Ist eine gelingende Integration Ihrer Meinung nach, angesichts der angespannten Haushaltslage denkbar? Welche Akteure müssten gemeinsam ins Boot, um einen erfolgreichen Kurs anzusteuern? Der Eingliederungstitel des Jobcenter Lübeck ermöglicht nach wie vor, dass mit arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen berufliche Sprach- und Qualifikationsdefizite abgebaut werden. Zur gesellschaftlichen Teilhabe gehört auch die Integration in den Arbeitsmarkt. Hier wäre es wünschenswert, dass noch mehr Arbeitgeber den Migrationshintergrund und die multikulturelle Vielfalt als Chance und nicht als Einstellungshemmnis ansehen.

Gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss stärker bewusst werden, dass ihre interkulturellen Kompetenzen und Potenziale von der Gesellschaft anerkannt und gebraucht werden. Häufig ist es aber so, dass sie durch diskriminierende Alltagserfahrungen demotiviert sind. Mit welchen Worten könnten Sie diese Jugendlichen motivieren, dass sie für sich eine Chance in der Gesellschaft sehen? Jeder hat Talente. Nutzen Sie diese. Lassen Sie sich nicht entmutigen! Ein Schulabschluss und eine abgeschlossene Ausbildung sind wichtige Grundlagen, um beruflich und gesellschaftlich erfolgreich und integriert zu sein. Bei der Berufswahl und dem Berufseinstieg unterstützt Sie gerne die Berufsberatung.

Eine Frage zum Abschluss: Thomas Mann hat durch seine Mutter – Julia da Silva-Bruhns – brasilianischen Migrationshintergrund. Wussten Sie das?

Nein. Aber Migrationshintergrund ist kein Nachteil sondern ein Vorteil. Er bietet Impulse für die Weiterentwicklung einer Gesellschaft.

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