Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 10. Januar 2012

Wie kann Integration gelingen?

Renate Menken, Vorsitzende der Possehl-Stiftung, gibt heute die Antworten

Unsere heutigen Fragen zur Integration in der Hansestadt beantwortet die Vorsitzende der Possehl-Stiftung, Renate Menken.

1. Zu einer gelebten Willkommenskultur gehört Toleranz gegenüber dem Fremden und das Bewusstsein, dass sich eine Gesellschaft durch den Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt wandeln und verändern wird. Ist Lübeck – Ihrer Wahrnehmung nach – offen und bereit ein Miteinander zu organisieren, statt nur ein Nebeneinander zu ertragen?

In Lübeck engagieren sich viele Institutionen – sehr große und ganz kleine – für ein Gutes Miteinander. Die Herausforderung besteht zweifelsohne darin, bei allen Bürgerinnen und Bürgern der Hansestadt das Bewusstsein zu schärfen, dass der Zuzug von Menschen aus der ganzen Welt keine Belastung sondern eine überlebensnotwendige Bereicherung für die deutsche Gesellschaft darstellt.

2. Bei der Integration geht es immer um einen wechselseitigen Prozess, nicht um Anpassung oder Assimilation. Was unternehmen Sie, bzw. was unternimmt Ihre Institution, Einrichtung oder Firma, für eine wirksame Integration?

Die Possehl-Stiftung unterstützt seit Jahren vielfältigste Aktivitäten, die eine wirksame Integration befördern. Als Beispiel seien hier die Seniorenlotsen und Sprachpatenschaften der Gemeindediakonie und die Begabtenstipendien der START-Stiftung genannt. Auch die Arbeit engagierter Vereine wie das Haus der Kulturen, TARA und Türgem sind von der Possehl-Stiftung gefördert worden.

3. Die defizitäre Lage der öffentlichen Haushalte wirkt erschwerend, adäquate Bedingungen für eine wirkliche Chancengleichheit zu schaffen. Ist eine gelingende Integration Ihrer Meinung nach, angesichts der angespannten Haushaltslage denkbar? Welche Akteure müssten gemeinsam ins Boot, um einen erfolgreichen Kurs anzusteuern? Nicht immer ist wirksame Integration nur vom Geld abhängig. Vor allem das Umdenken kann das gesellschaftliche Klima maßgeblich beeinflussen. Hier ist jeder, der sich in Politik, Verbänden, der Kirche engagiert gleichermaßen gefordert. Kitas und Schulen legen den Grundstein mit ihrer Arbeit; vor allem hier müssen wir ansetzen.

4. Gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss stärker bewusst werden, dass  ihre interkulturellen Kompetenzen und Potenziale von der Gesellschaft anerkannt und gebraucht werden. Häufig ist es aber so, dass sie durch diskriminierende Alltagserfahrungen demotiviert sind. Mit welchen Worten könnten Sie diese Jugendlichen motivieren, dass sie für sich eine Chance in der Gesellschaft sehen?

Lübeck braucht Euch. Die Stadt wäre grau und überaltert ohne Euch. Ergreift die Chancen, die sich Euch bieten und scheut Euch nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen, wo es nötig ist.

5. Eine Frage zum Abschluss: Thomas Mann hat durch seine Mutter – Julia da Silva-Bruhns – brasilianischen Migrationshintergrund. Wussten Sie das? Ja.

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