Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 14. Dezember 2017

Ausgabe vom 18. August 1998

Die deutsche Sprache soll lebendig bleiben

Zu: "Editorial". SZ vom 4. August

Am 1. Juli 1996 unterzeichneten nach langjährigen Bemühungen die politischen Vertreterinnen und Vertreter deutschsprachiger Staaten ihre Erklärung zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung. Daran beteiligt waren Expertinnen und Experten wie Dr. Gerhard Augst, Professor für Deutsche Sprache an der Universität Siegen, der sich bereits seit 1972 (!) mit der geplanten Rechtschreibreform befaßt.

Im neuen Regelwerk ist der Versuch deutlich zu erkennen, eine behutsame Vereinfachung der Rechtschreibung anzustreben, insbesondere durch die längst überfällige Beseitigung von unlogischen Ausnahmen und Besonderheiten.

Im Laufe der letzten hundert Jahre hat sich manches in unserer Gesellschaft verändert, was von gravierender Tragweite für die Persönlichkeit eines Menschen ist.

Seit ich im letzten Schuljahr im Unterricht einzelne neue Regeln vorstellte, kann ich beobachten, daß anfängliche Skepsis weitestgehend in Akzeptanz umgeschlagen ist. Wobei ich nicht unerwähnt lassen will, daß nicht alles Neue gefällt. Doch kann dies von Kompromißlösungen überhaupt erwartet werden?

Für die Entscheidung am 27. September wünsche ich mir, daß alle Wahlberechtigten noch einmal für sich überprüfen, wie es ihnen gefiele, wenn sie zum Beispiel heute noch wie Luther schreiben müßten.

Die deutsche Sprache soll eine lebendige Sprache bleiben und das bedeutet regelmäßige Weiterentwicklung.

Gabriele Schopenhauer, Lübeck

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