Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 12. Dezember 2017

Ausgabe vom 24. Januar 2012

Wie kann Integration gelingen?

Heute beantwortet IHK-Präses Christoph Andreas Leicht die Antworten

Unsere heutigen Fragen zur Integration in der Hansestadt beantwortet Christoph Andreas Leicht, Präses der IHK zu Lübeck.

1. Zu einer gelebten Willkommenskultur gehört Toleranz gegenüber dem Fremden und das Bewusstsein, dass sich eine Gesellschaft durch den Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt wandeln und verändern wird. Ist Lübeck – Ihrer Wahrnehmung nach – offen und bereit ein Miteinander zu organisieren, statt nur ein Nebeneinander zu ertragen?

Ja, Lübeck ist in großen Teilen bereit dazu. Als Beispiel sei hier genannt: die kürzlich erfolgte Eröffnung der Bait-ul-Afiyat Moschee oder auch die stadtprägenden kleinen Läden in der Altstadt, mit Betreibern aus Migrationshintergrund. Dort kaufen Lübecker, Migranten und Touristen gleichermaßen.

2. Bei der Integration geht es immer um einen wechselseitigen Prozess, nicht um Anpassung oder Assimilation. Was unternimmt Ihre Institution, Einrichtung oder Firma für eine wirksame Integration?

Zum einen hat die IHK einen Anteil von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund von 7 %, zum anderen beschäftigt die IHK seit April 2010 speziell einen Mitarbeiter, der sich um die Belange der Migrantenbetriebe, Schulabgänger mit Migrationshintergrund und den dazugehörigen Multiplikatoren kümmert.

3. Die defizitäre Lage der öffentlichen Haushalte wirkt erschwerend, adäquate Bedingungen für eine wirkliche Chancengleichheit zu schaffen. Ist eine gelingende Integration Ihrer Meinung nach, angesichts der angespannten Haushaltslage denkbar? Welche Akteure müssten gemeinsam ins Boot, um einen erfolgreichen Kurs anzusteuern?

Angesichts des hohen Migrationsanteils ist in der Hansestadt Lübeck Integration eine politische Kernaufgabe, für die ausreichende finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden müssen. Es ist immer besser jetzt in die Zukunft zu investieren als in Zukunft noch höher investieren zu müssen, um Versäumnisse auszugleichen. Wichtig ist, dass alle vorhandenen Akteure an einem Strang ziehen und gemeinsame Ziele definieren, um gemeinsam zum Erfolg zu führen.

4. Gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss stärker bewusst werden, dass ihre interkulturellen Kompetenzen und Potenziale von der Gesellschaft anerkannt und gebraucht werden. Häufig ist es aber so, dass sie durch diskriminierende Alltagserfahrungen demotiviert sind. Mit welchen Worten könnten Sie diese Jugendlichen motivieren, dass sie für sich eine Chance in der Gesellschaft sehen?

Es gibt – auch in der Hansestadt Lübeck – genügend positive Beispiele von erfolgreich angestellten oder auch selbständigen Migranten, die im Dialog mit den Jugendlichen als Vorbild dienen können.

5. Eine Frage zum Abschluss: Thomas Mann hat durch seine Mutter – Julia da Silva-Bruhns – brasilianischen Migrationshintergrund. Wussten Sie das? Ja!

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