Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 07. Februar 2012

Bei Gutachten sparen

Autor: Olaf Nevermann

FUL

In den Jahren 2009 und 2010 sind fast 2,5 Millionen Euro Lübecker Steuergelder in die Taschen von Beratern und Gutachtern geflossen. Besonderen Beratungsbedarf haben die Entsorgungsbetriebe – allein dieser Eigenbetrieb beauftragte für unglaubliche 634.250 Euro Berater. Für die Vorbereitung der Ausschreibung einer Telefonanlage allein 30.000 Euro, für kaufmännische Steuerung und Planungsprogramme 87.000 Euro. Nicht mal die Tourenplanung der Müllfahrzeuge können die allein machen, hierfür gibt man lieber 20.000 Euro aus. Im Vergleich der Fachbereiche fällt auf, dass der Bereich Umwelt, Sicherheit und Ordnung, mit fast 50 Prozent Anteil an den Gesamtberaterkosten, und der Bürgermeister mit 25 Prozent die größten Geldvernichter sind. Im Fachbereich Kultur und Bildung heißt es hingegen erstaunlicher Weise zum Thema - Zitat: „Gutachten sind hier nicht gern gesehen!“ Ein besonders seltsames Beispiel war das Gutachten der Beratungsfirma Roland Berger über die Senioren-Einrichtungen der Hansestadt. Für 96.000 Euro wurden Daten präsentiert, die jeder Buchhalter innerhalb von drei Tagen aus den Bilanzen des Betriebes hätte zusammenstellen können. Eine beliebte Begründung für alle diese Berateraufträge ist fehlendes Personal bei der Stadt. Dies kann ich nicht nachvollziehen. In den letzten Jahren habe ich in vielen Fällen seitens der Verwaltung hervorragende Berichte mit allen relevanten Daten für eine Auswertung erhalten. Es kann also nur drei Gründe geben: Es wird zu viel geplant, es wird nicht das notwendige Fachpersonal beschäftigt oder man traut seinem eigenen Verstand nicht.

V.i.S.d.P.: Jens-Olaf Teschke

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