Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 15. Dezember 2017

Ausgabe vom 21. Februar 2012

Wie kann Integration gelingen?

Die heutigen Fragen beantwortet Vizepräsident der Musikhochschule Prof. Bernd Ruf

Die heutigen Fragen zur Integration in der Hansestadt Lübeck beantwortet Prof. Bernd Ruf, Vizepräsident der Musikhochschule Lübeck.

1. Zu einer gelebten Willkommenskultur gehört Toleranz gegenüber dem Fremden und das Bewusstsein, dass sich eine Gesellschaft durch den Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt wandeln und verändern wird. Ist Lübeck – Ihrer Wahrnehmung nach – offen und bereit ein Miteinander zu organisieren, statt nur ein Nebeneinander zu ertragen?

Die Menschen hier in Lübeck spüren und leben die Tradition der Hanse- und Handelsstadt. Es gibt viele Initiativen und Einrichtungen, die intensiv das Miteinander fördern wie z.B. das Haus der Kulturen oder der neu gegründete Verein Tontalente e.V.

2. Bei der Integration geht es immer um einen wechselseitigen Prozess, nicht um Anpassung oder Assimilation. Was unternehmen Sie, bzw. was unternimmt Ihre Institution, Einrichtung oder Firma, für eine wirksame Integration?

Bei uns leben und arbeiten Studierende aus der ganzen Welt eng zusammen. Da es sich um sehr viele unterschiedliche Kulturkreise handelt, ist der Austausch enorm. Was alle eint, ist natürlich die Musik und das gemeinsame Ziel, sich durch Musik auszudrücken.

3. Die defizitäre Lage der öffentlichen Haushalte wirkt erschwerend, adäquate Bedingungen für eine wirkliche Chancengleichheit zu schaffen. Ist eine gelingende Integration Ihrer Meinung nach, angesichts der angespannten Haushaltslage denkbar? Welche Akteure müssten gemeinsam ins Boot, um einen erfolgreichen Kurs anzusteuern?

Die Gesellschaft muss sensibilisiert werden, den Blick über Legislaturperioden hinaus für langfristige Planungen und einen nachhaltigen Kurs zu öffnen. Dieser heißt: Bildung und Kultur. Ohne intensivste Bemühungen und Investitionen in diesem Bereich wird eine Integration auf Augenhöhe nicht gelingen können. Jeder muss seine eigenen Wurzeln und die Kulturkreise anderer kennen, erfahren, erleben. Nur so kann Respekt, Toleranz und Wertschätzung im Umgang miteinander entstehen. 

4. Gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss stärker bewusst werden, dass  ihre interkulturellen Kompetenzen und Potenziale von der Gesellschaft anerkannt und gebraucht werden. Häufig ist es aber so, dass sie durch diskriminierende Alltagserfahrungen demotiviert sind. Mit welchen Worten könnten Sie diese Jugendlichen motivieren, dass sie für sich eine Chance in der Gesellschaft sehen?

Mit Schlagwörtern ist den Jugendlichen nicht geholfen. Das wirkt zu platt und wird auch leicht durchschaut als pseudopädagogische Masche. Nein. Was motiviert, ist den Jugendlichen das Gefühl zu vermitteln, ernst genommen werden, jeder auf seine Art, mit seinen individuellen Stärken, Schwächen und kulturellen Ausprägungen.

5. Eine Frage zum Abschluss: Thomas Mann hat durch seine Mutter – Julia da Silva-Bruhns – brasilianischen Migrationshintergrund. Wussten Sie das?

Ja.

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