Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 20. März 2012

Wie kann Integration gelingen?

Die heutigen Fragen zur Integration beantwortet Professor Dr. Peter Dominiak

Die heutigen Fragen zur Integration in der Hansestadt Lübeck beantworet Professor Dr. Peter Dominiak, Präsident der Universität zu Lübeck. Mit der heutigen Folge ist die Serie, deren Fragen viele Lübecker Persönlichkeiten beantworteten, beendet.

1. Zu einer gelebten Willkommenskultur gehört Toleranz gegenüber dem Fremden und das Bewusstsein, dass sich eine Gesellschaft durch den Zuzug von Menschen aus allen Teilen der Welt wandeln und verändern wird. Ist Lübeck – Ihrer Wahrnehmung nach – offen und bereit ein Miteinander zu organisieren, statt nur ein Nebeneinander zu ertragen?

Um für die Universität Lübeck zu sprechen: Im Wissenschafts- wie auch im Studienbetrieb ist das Miteinander über alle Ländergrenzen hinweg gelebte Realität. Internationalität an einer Universität ist eine Selbstverständlichkeit.

Wir fühlen uns mit unseren 265 ausländischen Studierenden, unseren Gastwissenschaftlern und unseren internationalen Kongressen in Lübeck gut aufgenommen und sehen in der Stadt positive Initiativen für einen tatsächlichen Austausch.

2. Bei der Integration geht es immer um einen wechselseitigen Prozess, nicht um Anpassung oder Assimilation. Was unternehmen Sie, bzw. was unternimmt Ihre Institution, Einrichtung oder Firma, für eine wirksame Integration?

Menschen, die zu uns kommen, bringen immer auch etwas mit, von dem wir profitieren können – nicht nur, wie bei Gastwissenschaftlern, Wissen und Knowhow, sondern auch Lebens- und Verständigungskultur und eine für uns vielleicht neue Sicht der Dinge.

Die Universität hat mit Mitteln des Deutschen Akademischen Austauschdienstes ein Mentorenprogramm eingerichtet, das unseren ausländischen Gästen praktische Hilfestellung in Alltags- und Behördenangelegenheiten gibt, aber sie auch zu Ausflügen und Partys einlädt.

Beim Internationalen Buffet, das wir einmal im Semester im Internationalen Studentenwohnheim in der Innenstadt veranstalten, steuert jeder etwas Landestypisches aus seiner Heimat bei.

3. Die defizitäre Lage der öffentlichen Haushalte wirkt erschwerend, adäquate Bedingungen für eine wirkliche Chancengleichheit zu schaffen. Ist eine gelingende Integration Ihrer Meinung nach, angesichts der angespannten Haushaltslage denkbar? Welche Akteure müssten gemeinsam ins Boot, um einen erfolgreichen Kurs anzusteuern?

In intelligenter Koordination aller Beteiligten lassen sich auch beschränkte Mittel gewinnbringend nutzen.

Der Runde Tisch in Lübeck mit Vertretern der Stadt, der Hochschulen, des Studentenwerks und der konfessionellen Studierendengemeinden ist dafür eine gute, ergebnisreich arbeitende Plattform. Eine Ausländerbehörde muss selbstverständlich auch andere Grundsätze als nur die des individuellen Einzelfalls berücksichtigen. Entscheidend aber ist, dass alle Akteure voneinander wissen und ein gemeinsames Grundverständnis entwickeln.

4. Gerade jungen Menschen mit Migrationshintergrund muss stärker bewusst werden, dass  ihre interkulturellen Kompetenzen und Potenziale von der Gesellschaft anerkannt und gebraucht werden. Häufig ist es aber so, dass sie durch diskriminierende Alltagserfahrungen demotiviert sind. Mit welchen Worten könnten Sie diese Jugendlichen motivieren, dass sie für sich eine Chance in der Gesellschaft sehen?

Für Intoleranz kann in unserer Gesellschaft kein Platz sein, denn sie ist mit Chancengerechtigkeit, Leistungsmotivation und gegenseitigem Verständnis unvereinbar. Wir haben uns seitens der Universität dafür eingesetzt, dass auch an den Eingangstüren von Diskotheken, wie es einigen unserer ausländischen Studierenden geschehen ist, keine nationale Diskriminierung stattfinden darf. Lübeck sollte bei jeder sich bietenden Gelegenheit die Weltoffenheit einer Hanse- und Universitätsstadt unter Beweis stellen.

5. Eine Frage zum Abschluss: Thomas Mann hat durch seine Mutter – Julia da Silva-Bruhns – brasilianischen Migrationshintergrund. Wussten Sie das?

Ja. Im Buddenbrookhaus ist sehr schön dargestellt, wie ihr südländisches Temperament und Naturell eine ganz ungewohnte Farbe in die hanseatische Kaufmannsfamilie brachte.

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