Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 17. April 2012

800 Lübecker pilgerten den Kreuzweg

Gläubige pilgerten am Karfreitag zum Jerusalemsberg

Großer Andrang am Karfreitag beim ältesten Kreuzweg Deutschlands: Rund 800 Gläubige kamen in St. Jakobi zusammen, um gemeinsam zum Jerusalemsberg zu pilgern, der im Jahr 1493 für diesen Anlass aufgeschüttet wurde.

An den fünf Stationen wurden Kurzansprachen gehalten von Erzbischof Dr. Werner Thissen, Bischöfin Kirsten Fehrs, der Landtagsvizepräsidentin Herlich Marie Todsen-Reese, Propst Franz Mecklenfeld, Pröpstin Petra Kallies, Pastor Lutz Jedeck und Pastorin Kathrin Jedeck sowie vom ehemaligen schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten, Björn Engholm.

Im Mittelpunkt der fünf Kreuzwegstationen stehen das Leiden und das Sterben Jesu Christi. Dabei wurde aber auch der Blick auf die heutige Lage geworfen: „Menschen müssen von ihrer Arbeit leben können und nicht in die Falle geraten zwei, drei, vier Jobs zu haben und immer noch nicht davon leben zu können - das ist ungerecht!““, so Propst Mecklenfeld. Ein Viertel der Gesellschaft habe keine Zukunftshoffnung - sie sitze fest eingemauert im unteren Teil der Gesellschaft. „Da muss man etwas tun und das ist es auch, was mich antreibt diesen Kreuzweg mitzulaufen“, fügt Björn Engholm hinzu. Der Kreuzweg ist kein normaler Gottesdienst. Anhänger verschiedener christlicher Glaubensrichtungen nehmen an ihm teil. Und auch ein klingelndes Handy störte nicht. Erzbischoff Dr. Werner Thissen zeigte Verständnis: Es handelte sich offensichtlich um einen Wasserrohrbruch bei einem Teilnehmer. „Jeden Tage gibt es wichtige Dinge, die erledigt werden müssen“, so der Erzbischoff.

Der angesehene Kaufmann und Ratsherr Hinrich Constin – geboren um 1400 in Lübeck, hier 1482 gestorben – unternahm 1468 eine Pilgerreise nach Jerusalem. Er tat dies als Büßer. Er soll seine Frau geschlagen haben, die aus Gram darüber starb. Um Abbitte zu leisten, reiste er ins Heilige Land zum Grab Christi. In Jerusalem schritt er die Via dolorosa ab, den Weg, den der verurteilte Christus mit dem Kreuz gehen musste. Zurückgekehrt, verfügte er, dass der Weg in Lübeck nachgebaut werden sollte, damit Gläubige ihn am Karfreitag, dem Todestag Christi, nachgehen könnten. In der Innenstadt wurden mehrere Kreuzwegstationen aufgestellt. Insgesamt waren es sieben. Nur die erste und die letzte existieren noch. Die übrigen wurden im Laufe der Zeit entfernt.                

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