Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 23. Oktober 2017

Ausgabe vom 17. Juli 2012

Schattentheater trifft Peking-Oper

Neu im Puppentheater: die dritte Ausstellung zum Thema China

Lübeck im Zeichen des Drachen: Als dritte Sommerausstellung zum Thema China wurde am Freitag nach den beiden Ausstellungen in der Kunsthalle St. Annen im TheaterFiguren-Museum die nächste Schau eröffnet. „Im Reich der Schatten – Chinesisches Schattentheater trifft Peking-Oper": So lautet der programmatische Titel. Schätze aus eigenen Beständen des TheaterFiguren-Museums sind zu sehen, aber auch Leihgaben. Zu den Leihgebern gehört Luise Thomae, eine private Sammlerin und Liebhaberin der fernöstlichen Kultur. Außerdem stellte der aus China stammende, in Hamburg lebende Künstler Xiaomin Liu Originalkostüme der Peking-Oper zur Verfügung. Fachleute erläuterten am Mittag schon einmal die Exponate und ihre Geschichte.

Zwei uralte Institutionen der Kultur aus dem Reich der Mitte sind also zu besichtigen, das Schattentheater und die Peking-Oper. Die Exponate können gewissermaßen Hand in Hand gehen. Ihre Blütezeit hatten sie um das Jahr 1875, gegen Ende des chinesischen Kaiserreiches. Dann verdrängten mehrere revolutionäre Strömungen die alte Volkskunst, erläuterte der Sinologe Dr. Rainald Simon. Die so genannte Kulturrevolution im vorigen Jahrhundert sei deshalb keine Kultur-, sondern eine Anti-Kulturrevolution gewesen.

Diese Meinung vertrat auch Xiaomin Liu. Er schilderte persönliche Erfahrungen aus Kindertagen. Sein Vater war in einer großen Stadt für die Kultur verantwortlich. Als Vernichtungsbefehle kamen, versteckte der Vater wertvolle alte Bücher und Bilder im Hause und erklärte dem Sohn deren Bedeutung und Wert. Später wurden alte Häuser abgerissen, um neue Wohnblocks zu bauen. Dabei habe ein Freund in einem Koffer die farbprächtige Operngeraderobe entdeckt und erworben. Die auch im Ausland bekannte Peking-Oper gab es übrigens nicht nur in Peking, sondern auch in anderen Städten. Das Schattentheaterspielen wurde in China vor allem auf dem Lande gepflegt, erläuterte die Geschäftsführerin des Museums, Martina Wagner. Die Räume durften nicht zu groß sein, weil man dann die Einzelheiten der kleinen Figuren nicht erkennen konnte. Insofern war die Zahl der Zuschauer auf rund 100 begrenzt. Mit dem Massenmedium des Films konnten die Schattentheater nicht konkurrieren. Sie wurden mehr und mehr verdrängt, scheinen aber eine Renaissance zu erleben. Die Figuren sind aus bemaltem Ziegenleder hergestellt. Sie wirken dann wie frühes Farbfernsehen. Jede Figur ist an drei Stäben befestigt, die an den Händen und im Nacken sitzen. Geschickte Spieler können zwei oder drei Figuren gleichzeitig bedienen, haben also sechs oder neun Stäbe in den Händen. Da man dann nicht auch noch singen kann, standen die Sängerinnen in einer zweiten Reihe auf der Bühne, hinter ihnen die Instrumentalisten. Im Schattentheater wurde also große Oper gegeben.

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