Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 24. Oktober 2017

Ausgabe vom 14. August 2012

Eine neue alte Orgel für den Dom?

Millionen-Projekt: Nachbau der berühmten Schnitger-Orgel rückt in greifbare Nähe

Die Frage wird seit zehn Jahren diskutiert: Lässt sich die berühmte große Orgel im Dom, die in der Palmarum-Nacht im März 1942 verbrannte, nachbauen? Fachleute berichteten in der vergangenen Woche, man sei einen entscheidenden Schritt weiter gekommen.

Treffpunkt für ein Expertengespräch war nicht der Dom, sondern das St.-Annen-Museum. Hier befindet sich das einzige erhaltene Stück der berühmten Orgel von Arp Schnitger (1648-1719). Es handelt sich um den Spieltisch mit seinen drei übereinander liegenden Klaviaturen aus Elfenbein und Ebenholz. Eine zierliche Arbeit, eine „Ikone erster Güte“, wie Domorganist Professor Hartmut Rohmeyer sagte. An diesem Spieltisch hatte Dietrich Buxtehude bei der Einweihung anno 1699 gespielt, 1703 Georg Friedrich Händel bei einem Kurzbesuch in Lübeck, zwei Jahre später mit großer Wahrscheinlich Johann Sebastian Bach, der fast vier Monate bei Buxtehude in St. Marien zu Gast war.

Der Spieltisch wurde gerettet, weil die Schnitger-Orgel im Jahr 1893 gründlich umgebaut worden war. Der alte Spielschrank wurde ersetzt, ausgebaut und ins Dom-Museum gestellt. Von dort kam er im Zuge der Kriegsereignisse ins Annen-Museum.

Vor zehn Jahren fand im Dom ein Symposium „Faszination Schnitger-Orgel“ statt. Dort wurde berichtet, dass die alte Lübecker Domorgel in Göteborg/Schweden nachgebaut worden sei. Es ist also möglich, Instrumente zu erstellen, deren Klang dem des ausgehenden
17. Jahrhunderts sehr nahe kommt. Einwände gab es 2002 auch. Der Dom ist bei Wiederaufbau in den siebziger Jahren im Inneren völlig neu gestaltet worden. Das Westwerk, die Zone zwischen den Türmen, müsste umgebaut werden.

Musikalische und architektonische Forderungen, Belange der Denkmalpflege und der Kirchengemeinde wären „unter einen Hut“ zu bringen. Um die Sache weiter zu verfolgen, wurde inzwischen ein beschränkter Architektenwettbewerb ausgelobt, den die Possehl-Stiftung, die Gemeinnützige Sparkassenstiftung und die Jürgen Wessel-Stiftung finanzierten. Die Ergebnisse zweier Lübecker und zweier Hamburger Architektenbüros liegen vor. Ein Preisgericht nahm sie am vergangenen Freitag „unter die Lupe“ Nach Beratung im Kirchengemeinderat soll die Öffentlichkeit am Freitag, dem 17. August um 18 Uhr im Ostchor des Domes unterrichtet werden..

 Wirklichkeit werden sollte. Zwischen zwei und drei Millionen Euro würde der Nachbau der Schnitger-Orgel kosten, schätzt Orgelsachverständiger Hans-Martin Petersen. Hinzu kämen Kosten für die Umgestaltung der Turmzone des Domes. „Das geht nur, wenn sich viele Menschen begeistern lassen“, sagt Dompastor Martin Klatt.

Großes Interesse an diesem Projekt hat die Musikhochschule. Professor Arvid Gast: „Für die Ausbildung der angehenden Kirchenmusiker und Konzertorganisten würde neben der intensiven Nutzung der Stellwagen-Orgel in St. Jakobi durch ein solches Schnitger-Instrument eine schmerzliche Lücke im Repertoire der Instrumente unserer Stadt geschlossen.“

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