Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Dienstag, 12. Dezember 2017

Ausgabe vom 11. September 2012

Ein Lübecker ist Matrose auf der Alex II

Oliver Brockmann bildet Trainees an Bord des Partnerschiffs der „Stadt der Wissenschaft“ aus

Wenn am 14. September das Partnerschiff der Stadt der Wissenschaft, die „Alexander von Humboldt II“, an der Travemünder Vorderreihe festmacht, dann gehen 50 Trainees von Bord des grünen Großseglers. Der Lübecker Segler Oliver Brockmann (40) war selbst mal Segel-Schüler auf der „Alexander von Humboldt I“. Jetzt ist er Toppsmatrose auf der neuen „Alexander von Humboldt II“.

Brockmann segelt seit 2002 Törns mit dem Segelschulschiff der Deutschen Stiftung Sails Training (DSST). Seit der Ingenieur mit der legendären „Alexander von Humboldt I“, den Atlantik überquert hat, lässt ihn die Begeisterung für Teamarbeit an Bord von Großseglern nicht mehr los. Dabei hat Brockmanns Liebe zur See gar nicht mit dem Segeln angefangen. Brockmann war als Teenager mit dem Motorboot in Lübeck auf der Trave unterwegs. „Beim Lübecker Motorboot Club (LMC) gab es auch eine Jugendsegelgruppe“, erinnert sich Brockmann.

2002 hatte der damals 30-Jährige Zeit. Und Oliver Brockmann hatte einen Einfall: „An einer Ampel kam mir die Idee mit der „Alexander von Humboldt“ einen Törn über den Atlantik zu machen“, sagt Brockmann. Dann ging alles flott: Die Buchung im Internet, der Flug zum Starthafen Las Palmas, das Packen - eine Reisetasche mit vielen Klamotten und Ölzeug für den 25-Tage-Törn über den Atlantik.

Start: Wo ist die Koje?

Oliver Brockmann steigt in Las Palmas die Gangway hoch. „Alles war neu – ich musste erstmal meine Koje finden“, sagt der junge Segler. 58 Trainees stehen mit ihm an Deck, staunen und warten darauf, dass die Reise endlich losgeht. Da die Trainees auf den Segelschiffen der DSST mit Hilfe von erfahrenen Seeleuten selbst über den Atlantik segeln, werden die Trainees bereits am ersten Tag in Wachen eingeteilt.

Arbeit an Deck statt Segelromantik: „Es gibt eine 0-4er, 4-8er, und 8-12er Wache“, erklärt Brockmann. Wer die 0-4er Wache hat, arbeitet von 0 bis 4 Uhr und von 12 bis 16 Uhr. Zwischendurch haben die Segel-Neulinge frei und können machen, was sie wollen. Jede der rund 17 Mann starken Wachen auf der „Alex“ setzt sich aus verschiedenen Dienstgraden zusammen. Der Steuermann bestimmt,  wo es lang geht und der Rudergänger hält den Kurs. Der leitende Matrose, auch Toppsmatrose genannt, weist die Trainees in die Kunst der Bedienung von 236 Tampen ein, die auch nachts gefunden werden wollen. „Der Toppsmatrose leitet lediglich an. Ich darf die Tampen nicht anfassen, am Ende bin ich aber  häufig heiser“, scherzt Toppsmatrose Brockmann.

Was Oliver Brockmann macht, wenn er keine Wache hat? „Schlafen“, sagt der Ingenieur. Das Leben an Bord habe seinen eigenen schlichten Rhythmus. „Wache. Kurz Klönen. Schlafen. Sich ums Schiff und Trainees kümmern. Wieder Wache. Freizeit.“ Ab und zu gebe es abends mal ein Bier. Die Betonung liegt auf einem Bier.

Entscheidung für Neubau

2005 entschied sich die DSST, ihr betagtes Flaggschiff die
„Alexander von Humboldt I“
zu verkaufen und eine neue „Alexander von Humboldt II“ zu bauen. DSST-Vorstand Albert Bote: „Die Stiftungsleitung hatte Zweifel daran, ob die stetig wachsenden Kosten für Wartung und Instandhaltung weiterhin aus den Törnbeiträgen zu decken sein würden, zumal die Hauptstrukturen des Rumpfes aus dem Jahr 1906 stammen.“

Matrose Brockmann findet es positiv, dass die alte Alex in der Karibik weiter unterwegs ist. Brockmann’s Seemannsherz hängt nicht an der alten Lady. Der Seemann unterstreicht: „Man hängt nicht an dem Schiff, sondern an den Leuten die damit segeln, und dieser Gedanke lebt auf der Alex II weiter.“

Und Brockmann ist sie auch schon gesegelt, die neue Alex: „Die Alex II ist wesentlich größer. 10 Meter Breite, statt 8. Es gibt viel mehr Raum unter Deck. „Der Segler ist so groß, dass wir uns die ersten Tage gefragt haben, wo eigentlich Vorne ist“, sagt Brockmann.

Auch seglerisch setze die „Alexander von Humboldt II“ neue Akzente. Mehr Tempo auf See; das bewertet der Ingenieur aber eher trocken: „Sie scheint ganz gut zu laufen. Locker 10 Knoten bei 6 Windstärken.“ Das habe die alte Alex nur gelegentlich geschafft, so Brockmann.

Wenn die „Alexander von Humboldt II“ nach Travemünde kommt, dann hat auch Oliver Brockmann seinen Seesack schon gepackt. Brockmann begleitet zwei Törns von Travemünde aus. Ob er als leitender Matrose oder einfacher Matrose an Bord geht, das ist für ihn einerlei.

Dabei spiele Dienstgrad und Alter keine Rolle, sondern der Erfahrungs- und Wissensaustausch, der auch Lübeck als „Stadt der Wissenschaft“ prägt.

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