Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Donnerstag, 19. Oktober 2017

Ausgabe vom 02. Oktober 2012

„Wir sind alle Olympiasieger“

Stadt der Wissenschaft: Rückenwind-Projekt ist in St. Lorenz Nord mit Erlebnis-Parcours dabei.

Das Lübecker Projekt Rückenwind der Kirchengemeinde St. Markus startet mit einer olympischen Idee beim Stadtteilfest der Stadt der Wissenschaft in St. Lorenz Nord. „Wir verteilen Goldmedaillen und bieten Menschen ein Sieger-Treppchen. Denn bei Gott sind wir alle Olympiasieger“, wirbt die Leiterin des Rückenwind-Projektes, Inge Ostertag.

Zusammen mit dem Arbeitskreis-Inklusion will sich die Sonderpädagogin dafür stark machen, dass Menschen mit Behinderung nicht ausgegrenzt, sondern auf Augenhöhe wahrgenommen werden. Den sperrig klingenden Begriff „Inklusion“, den hat auch die blinde Werkstattmitarbeiterin Nicole Schmidt schon in ihrer Gemeinde gehört - meist dann, wenn’s um die gleichberechtigte Teilhabe von allen Menschen an der Gesellschaft geht. „Den Begriff Behinderung mag ich gar nicht. Da komm’ ich mir so vor, als ob ich nichts kann“, sagt die 43-Jährige entschlossen.

Dabei hat sie ihr Leben fest im Griff: Nicole Schmidt arbeitet in der Blindenwerkstatt der Vorwerker Diakonie. Sie wohnt in ihrer eigenen Wohnung. Nur ab und an schauen ihre Eltern vorbei und helfen bei schwierigen Dingen, wie dem Fensterputzen. Beim Vorlesen assistiert ein Computer mit der Blindenschrift. Das war nicht immer so: „Wie ich meinen ersten PC beantragt habe, hat das 4 Jahre gedauert, bis ich den bekommen habe“, sagt Nicole Schmidt kopfschüttelnd. In der Zwischenzeit haben Nachbarn ihr die private Post vorgelesen - ein zwiespältiges Gefühl für die junge Frau.

Weil Nicole Schmidt erfahren musste, wie es ist, benachteiligt zu sein, will sie anderen Menschen beim Stadtteilfest der Stadt der Wissenschaft in St. Lorenz Nord Mut machen. „Jeder kann irgendwas gut!“, betont die Besenbinderin. Vor ihr auf einem Tisch in der Gemeinde liegen schon die fertigen geschnittenen Goldmedaillen aus Papier. Vorne steht das christlich inklusive Motto: „Bei Gott sind wir alle Olympiasieger“. Und auf der Rückseite können die Besucher den Satz: „Ich bin fit in …“ vervollständigen und so zeigen was sie können.

Neben der Medaillen-Aktion organisieren die Lübecker Akteure des Arbeitskreises-Inklusion, Marli-Werkstätten, Vorwerker Diakonie, Blinden- und Pflegeheim Haus am Tremser Teich, Mixed Pickles und die stellvertretende Beauftragte für Menschen mit Behinderungen Erika Bade, auch einen Erlebnis-Parcours. An verschiedenen Stationen können die Besucher erfahren, wie es ist, nichts zu sehen oder wie es sich anfühlt, in einem Rollstuhl zu sitzen.

Inge Ostertag begrüßt, dass „Lübeck – die Stadt der Wissenschaft“ mit ihren Veranstaltungen Brücken zu den Menschen in die Stadtteile baut: „Denn unser Inklusions-Thema hier in Vorwerk ist ein echtes Wissenschaftsthema. Es ist wichtig, das wir in St. Lorenz Nord mit dabei sind“. Nach fünf Jahren Inklusions-Arbeit in Vorwerk gerät das Rückenwind-Projekt jetzt in unsicheres Fahrwasser. Von 2008 bis 2010 wurde das Projekt mit so genannten Leuchtturm-Geldern des Lübecker Kirchenkreises gefördert. Die Possehl-Stiftung förderte 2011 und 2012. Bis 2013 finanziert die Gemeinde das Projekt in Eigenregie. Wie’s 2013 weitergeht ist noch unklar. „Wir versuchen aber mit Kooperationspartnern ein neues Projekt zu starten und Fördergelder der Aktion Mensch zu beantragen“, sagt Inge Ostertag.

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