Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Freitag, 15. Dezember 2017

Ausgabe vom 13. November 2012

Alles braune Hafenschuppen?

Autor: Annette Schulte & Lillo Ciulla

Miteinander

Das zu begrüßende Ansinnen einer Gedenktafel für Zwangsarbeiter von der Partei Die Linke wird durch eine überwiegend falsche Begründung leider zur Farce. Es wird behauptet, die Schuppen auf der Wallhalbinsel stammten alle aus der Nazizeit. Richtig ist, dass diese bis auf Schuppen F auf Basis der Rehder-Planung von 1885 zwischen 1897 und 1907 errichtet wurden. Nur Schuppen F wurde erst von 1939 an bis 1949 errichtet. Bei Kriegsbeginn war dieser Schuppen ohne Zwangsarbeit zu etwa 40% fertig gestellt. Bei wiederholten Stilllegungen der Baustelle konnte die Stadt die Einstufung als „kriegswichtig“ oder „kriegsentscheidend“ erreichen, denn ohne ein solches Attribut lief gar nichts mehr, weder auf dem Bau noch z. B. in der Nahrungsmittelproduktion: kaum ein Bauernhof ohne Zwangsarbeiter. Ihre Leistung am Schuppen F — erst norwegische, später auch französische Gefangene — war gewichtig, sie entspricht etwa der Hälfte der Gesamtleistung. Weil immer nur weit weniger Arbeitskräfte als benötigt zur Verfügung standen, wurde Schuppen F erst 1949 fertig gestellt, aber im unfertigen Zustand schon ab 1944 vom Internationalen Roten Kreuz genutzt — die Folge von Erich Warburgs Bemühungen, die alte Hansestadt vor erneuten britischen Luftangriffen zu schützen.

 

V.i.S.d.P.: Dieter Müller

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