Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Sonntag, 17. Dezember 2017

Ausgabe vom 27. November 2012

Wer steigt jetzt in Blankensee ein?

Drei Investoren haben den Flughafenmitarbeitern ihre Konzepte präsentiert

Déjà-Vue in Blankensee: Ein paar Flughafen-Mitarbeiter stehen vor dem Eingang des Flughafens und warten, warten schweigend auf einen von drei Investoren, der „ihren“ Flughafen kaufen will. Die Männer wollen sich anhören, was Björn Birr von Bismarck und Winfried Stöcker, Chef von Euroimmun, mit ihrem Airport vorhaben.

Flughafen-Betriebsrat Torsten Hülse sagt, die Flughafenmitarbeiter seien erleichtert - die Insolvenz sei endlich vom Tisch. Mario Gorling (47) vom Tankdienst ergänzt: „Ich sehe das positiv. Die Stadt wird sich für den richtigen Investor entscheiden, der mehr Fluglinien nach Lübeck bringt und unsere Arbeitsplätze erhält.“ Von Bismarck will nach LN-Angaben die Firmenstruktur verbessern und Geld mit Hallen, Parkplätzen und höheren Abfertigungsgebühren verdienen. Der Flughafenausbau habe nicht Priorität. Gegenüber der Lübecker Stadtzeitung erklärte Björn Birr von Bismarck am vergangenen Freitag: „Wir bauen kein Luftschloß mit Rücktrittsklausel. Wir verzichten auf unser Rücktrittsrecht.“ Von Bismarck will den Flughafen „langfristig und nachhaltig“ entwickeln. Was die anderen Investoren anbelangt, so hat von Bismarck Bedenken: „Ich habe die Befürchtung, dass man sich hier wieder blenden lässt und sich die Geschichte in Blankensee wiederholt“, sagt er mit Blick auf den Investor Infratil, der 2009 aus dem Flughafengeschäft ausstieg.

Im Flughafen selbst ist die neue Nachricht, dass die Airport-Zukunft durch einen neuen Investor gerettet ist, positiv gelandet. Dirk Franz (53), Geschäftsführer der Lübecker Flughafengastronomie, freut sich nach Jahren der Ungewissheit über Planungssicherheit: „Wir akzeptieren jeden Investor, der gut ist für den Flughafen.“ Auch draußen am Taxistand herrscht Optimismus. „Schön, dass es hier weitergeht“, sagt Marcus Kreutzfeldt (39), der im Falle einer Insolvenz des Flughafens mit verstärkter Konkurrenz in der Innenstadt zu rechnen hätte. Ein Reisebüromitarbeiter hofft, dass sich die Investoren aus Düsseldorf mit ihrem Konzept durchsetzen werden: „Denn die bringen eine eigene Fluglinie mit“, weiß der Reisebüromitarbeiter. Die Düsseldorfer Restrukturierungs- und Investment AG will nach eigenen Angaben 90 Prozent der Flughafenanteile erwerben und den Lübecker Flughafen mit zwei „Hubs“ an das weltweite Luftverkehrsnetz anschließen. Weiterer Bestandteil des Konzeptes ist eine Neupositionierung des Flughafens als „Tor zur Ostsee“, sowie die Aussicht, Blankensee als Hubschrauber-Station für künftige Off-ShoreWindparks in der Ostsee zu nutzen. Der Investor hat seine Unternehmensberater nach Lübeck entsand, um auf die Risiken des von Saxe favorisierten „Asset-Deals“ hinzuweisen. „Die neue Betriebsgenehmigung wird mit Sicherheit von Flughafengegnern beklagt werden“, erklärt Inavia-Berater Michael Hövel.

Flughafenbetriebsrat Torsten Hülse will sich mit seinen Kollegen alle Konzepte anhören und am Wochenanfang eine Empfehlung Richtung Rathaus aussprechen. Was die Flughafenmitarbeiter vor allem umtreibt, ist die Frage, wie die Investoren künftig mit den beiden großen Linien Ryanair  und Wizzair verhandeln werden. Denn das, so Hülse, habe ja auch Konsequenzen auf die Auslastung und die Arbeitsplätze. Die Lübecker Bürgerschaft stimmt am Donnerstag über den neuen Investor ab. Die SPD-Fraktion will die Meinung der Flughafenmitarbeiter hören. Fraktionschef Peter Reinhardt betont gegenüber der Stadtzeitung: „Ich möchte die Stellungnahme der Beschäftigten aufnehmen.“ Einen Favoriten will Reinhardt aber vor Einsicht der Angebote nicht nennen.

Anders bei der CDU: Fraktionschef Frank Zander sagt, dass sich der Kampf um den Flughafen gelohnt habe. Als Favorit nennt Zander den Investoren Dr. Mohamad Rady Amar. Der Geschäftsmann aus Ägypten mit deutschem Pass will den Flughafen nach LN-Angaben kaufen, ausbauen und internationale Ferienflieger nach Blankensee holen.

Die neue Grünen-Fraktionsvorsitzende Liselotte von Holt hat mit der Flughafen-Zukunft offenbar wenig am Hut: „Wir begrüßen nicht, dass neue Investoren da sind. Denn Fliegen ist nicht Klimaschutz“, sagt von Holt.             Jel

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