Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Montag, 11. Dezember 2017

Ausgabe vom 11. Dezember 2012

Kein Platz in Feuerwehr-Wache III

Die Einsatzkräfte in Kücknitz warten auf den Neubau ihrer Station in Travemünde

Neben dem neuen Flughafen-Investor und dem Haushalt hatte Lübecks Bürgerschaft in der letzten Sitzung auch ein anderes heißes Thema am Wickel. Den geplanten Neubau der Feuerwehr-Wache III in Travemünde.

Hans-Jürgen Martens (Linke) brachte mit seiner Bemerkung, die Feuerwehrleute in der Kücknitzer Wache III würden nackt durchs Gebäude laufen, weil sie keine Umkleide hätten, zwar die Kommunalpolitiker zum Lachen, doch bei den Einsatzkräften vor Ort gibt‘s wenig Verständnis für solche Schmonzetten.

Die Feuerwehrmänner warten seit mehreren Jahren auf den Neubau ihrer Wache und müssen improvisieren, wo es nur geht. Lübecks Feuerwehr-Chef Oliver Bäth hat sich die Wache in der vergangenen Woche selbst angeschaut und klargestellt, dass der geplante Neubau der Wache beschlossene Sache ist: „Es ist die Summe der Mängel, die den Neubau notwendig macht“, so Bäth. Rund 5,5 Millionen Euro würde die Instandsetzung der 28 Jahre alten Kücknitzer Wache kosten. Die Anpassung der Wache an moderne Standards entspräche dann zwar dem Feuerwehrbedarfsplan, dennoch erreichten die Einsatzfahrzeuge Travemünde immer noch nicht in der vorgeschriebenene Zeit von zehn Minuten.

Die Bürgerschaft hat mit
großer Mehrheit den 6,5 Millionen Euro teuren Neubau auf dem Gelände am Stachelbeerkamp, zwischen der K20 und der B75 beschlossen. Die Stadt will die neue Wache in einem so genannten Public-Private-Partnership-Verfahren, also mit einem privaten Investor realisieren. „Sollte das nicht möglich sein, soll die Finanzierung in den Haushalt 2014 aufgenommen werden“, sagt Lübecks Feuerwehrchef.

Bis die Mittel für den Neubau vorhanden sind, bleibt alles beim Alten in Wache III: „Die Rettungswagen passen nicht in die Fahrzeughalle“, sagt Oberbrandmeister Peter Tengler. Zwischen Garagentor und Stoßstange bleiben rund 40 Zentimeter Platz. Und hinten am Fahrzeug, da sieht‘s kaum anders aus. Die Tragen lassen sich zwecks Desinfektion nicht im Halleninneren aus den RTWs ziehen.

Zwei Rettungssanitäter finden die Bemerkungen, die in der Bürgerschaft gefallen sind „überzogen“. Die Stadt habe andere Probeme, kaputte Schulen zum Beispiel, sagen die Einsatzkräfte. Improvisieren müssen die Feuerwehrleute in Kücknitz auch bei der Pflege ihrer Schutzanzüge. Die Wache III ist Lübecks einzige Gefahrgutwache und somit zuständig für sämtliche Gefahrguttransporte im Hafen. Normalerweise müssen die blauen Chemiekalienschutzanzüge separat gereinigt werden. Eine Trennung von weißer und schwarzer Wäsche, sei in der provisorisch eingerichteten Gefahrgutwerkstatt aber nicht möglich, erklären die Feuerwehrleute beim Rundgang. Und so trocknen die Anzüge dann, an den Gummistiefeln hängend, in der Halle mit den Leiterwagen, die ebenfalls viel zu klein ist, für neue Feuerwehr-Fahrzeuge.

Was mit der Wache wird, wenn der Neubau kommt, ist noch völlig offen. Oliver Bäth: „Das Gelände wird dann wohl von der Stadt verkauft. Im Zweifelsfall müsste das Gebäude wohl abgerissen werden.“         Jel

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