Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Mittwoch, 18. Oktober 2017

Ausgabe vom 18. Dezember 2012

Grass ist Europäer des Jahres 2012

Dänische Europabewegung zeichnete Lübecks Literaturnobelpreisträger aus

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass (85) hat den Ehrentitel „Europäer des Jahres 2012“ von der dänischen Europabewegung in Lübeck für sein europäisches Engagement erhalten. In den vergangenen Jahren haben Bundeskanzlerin Angela Merkel, der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso den dänischen Ehrentitel bekommen.

Der Chefredakteur der Zeitung „Der Nordschleswiger“, Siegfried Matlok und Vorstandsmitglied Gunnar Hattesen würdigten Grass‘ Wirken für Europa und bezeichneten den Preisträger als Autor, Künstler und Menschen, dessen europapolitische Beiträge andere inspiriert haben. „Ihre Autorenschaft zeugt von großem Mut.“

Günter Grass begrüßte unter den Gästen auch Matthäus Weiß, den Landesvorsitzenden des Verbandes Deutscher Sinti und Roma. Die Minderheit wurde 2012 erstmals vom schleswig-holsteinischen Landtag in die Landesverfassung aufgenommen. Mit Blick auf die Situation vieler Flüchtlinge warnte Grass bei der Preisverleihung vor einer Festungsmentalität in Europa: „Wenn wir es zulassen, dass Menschen aus Afrika auf unzulänglichen Schiffen im Mittelmeer absaufen, dann ist das eine Schande“, so Grass. Kritik an der Preisvergabe kam vom ehemaligen Außenminister Dänemarks. Per Stig Møller sagte der Tageszeitung „Jyllands-Posten“, Grass könne als Europäer nicht gegen die Deutsche Einheit sein. Ein Kritikpunkt, der Grass bei der anschließenden Pressekonferenz dazu brachte, seine Position zur Deutschen Einheit nochmals klarzustellen: „Ich habe schon vier Jahre vor dem Fall der Mauer mit dem ostdeutschen Schriftsteller Stefan Heym in Brüssel darüber nachgedacht, was geschieht, wenn eines Tages die Mauer fällt.“ Das sei weder in der Bundesrepublik noch in der DDR eine beliebte Diskussion gewesen, erinnert sich Grass. Er habe nicht die Deutsche Einheit kritisiert sondern den Weg dorthin: „Ich habe den Prozess der Deutschen Einheit kritisiert. Weil wir eine Einheit ohne Einigkeit geliefert bekommen haben. Eine die nur auf dem Papier steht... Streng gesagt, fußt die Deutsche Einheit auf einem Verfassungsbruch. Das muss schon gesagt werden.“ Jel

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