Stadtzeitung Lübeck

Herausgegeben von der Hansestadt Lübeck

Samstag, 21. Oktober 2017

Ausgabe vom 18. Dezember 2012

Heiter durch das weihnachliche Lübeck

Das Buddenbrookhaus bietet in der Weihnachtszeit literarische Stadtführungen an

Zehn vor Zehn am Vormittag in einem großen Hotel an der Lübecker Untertrave: Die Buddenbrookhaus-Mitarbeiterin Heide Aumann wartet ungeduldig auf neun Damen aus Celle. Die Lübeck Besucherinnen wollen Heide Aumann bei einem literarischen Stadtspaziergang durch das vorweihnachtliche Lübeck begleiten.

Der erste Schnee hat die Dachlandschaft der Altstadt zart eingepudert. Aumann schwärmt: „Heute präsentiert sich Lübeck von seiner allerschönsten Seite - genauso steht es in „Die Buddenbrooks“. Aumann zitiert auswendig aus dem Weihnachtskapitel: „Schnee fiel, es kam Frost, und in der scharfen, klaren Luft erklangen durch die Straßen die geläufigen oder wehmütigen Melodien der italienischen Drehorgelmänner, die mit ihren Sammetjacken und schwarzen Schnurrbärten zum Feste herbeigekommen waren.“

Die Damen hören gespannt zu, mit welcher Präzision Thomas Mann im Alter von nur 22 Jahren diese Zeilen über seine Stadt geschrieben hat. Dabei habe Mann die Stadt Lübeck nie in seinen Buddenbrooks genannt - aber immer gemeint, sagt Heide Aumann.

Los geht die heitere Reise durch das verschneite Lübeck. Am Holstentor entlang. Mit Blick auf die sieben Türme. Links: St. Marien, hinten St.Aegidien. „Und was ist mit der Kirche dort?“, wollen die Damen wissen und zeigen auf die Herz Jesu Kirche, die sich leider nicht in das Sieben-Türme-Ensemble einreiht. Weiter geht‘s über die Professorenbrücke. Mit diesem einzigartigen Blick über die Obertrave beginne der Film - Die Buddenbrooks, erklärt Heide Aumann, die Heinrich Breloers „Location Scout“, so nennen sich die Fachmänner für besonderen Kulissen und Drehorte, mit ihrem Wissen über Lübeck und die Buddenbrooks unterstützt hat.

In der Großen Petersgrube zeigt Aumann ihren Damen, wie ein Kaufmannshaus im
18. und 19. Jahrhundert mal ausgesehen hat - eben genauso wie die Musikhochschule heute noch in ihrem Inneren: „Rechts war die Küche, links das Kontor, die große repräsentative Diele, die Treppe hinauf führte in die Beletage“, so Aumann.

Weiter geht die Reise über den Rathausmarkt, dessen architektonische Eigenwilligkeiten, die Damen aus Celle überraschen. Eine Teilnehmerin will in den Windlöchern im Lübecker Rathaus gar fernöstliche Feng-Shui-Einflüsse erkannt haben. Heide Aumann indes bleibt beim Roman, bei den Buddenbrooks: „Der Konsul steht vor der Glasurziegelfassade des Rathauses mit den spitzen Türmen und Türmchen, die gegen den grau weißlichen Himmel stehen ...“

Wie sich Realitität und Fiktion im Werk von Thomas Mann vermischen, das ist am besten im Landschaftszimmer des Buddenbrookhaus zu erfahren. „Hier geht man wirklich durch den Roman“, sagt Heide Aumann, bevor sie ihre Gruppe mit einem heiteren „So weit meine Damen, es gibt noch viel zu sagen“, zum Heiligen-Geist-Hospital ziehen lässt. Die nächste literarische Führung ist am
23. Dezember und startet um 11 Uhr vor dem Buddenbrookhaus. Jahresausklang bei Buddenbrooks ist am 30. Dezember, ebenfalls um 11 Uhr. Jel

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